Montag, 6. Oktober 2008

Hooligans & This is England

Da ich beide Filme kurz hintereinander angeschaut habe, kam ich auf die Idee mit einem Doppelreview. Beide Filme behandeln Subkulturen, die gesellschaftlich geächtet sind und oft auch einer Mythenbildung unterliegen. Hooligans behandelt, wie der aufmerksame Leser sicherlich erahnt, die Hooligan-Szene, This Is England die Skinhead-Szene. Beide spielen in England, auch wenn Hooligans ein amerikanischer Film ist.
Inhalt
Die Geschichte der beiden Filme ist schnell erzählt: in beiden Streifen gerät ein (kleiner, hihi) Protagonist in eine ihm bis dato unbekannte Szene, die ihn freundlich aufnimmt und in der er seine bisher unterdrückten Aggressionen herauslassen kann. Neben gewalttätigen und kriminellem Verhalten findet der Protagonist eine Art Ersatzfamilie, die sich um ihn kümmert. In beiden Filmen scheitert letztlich das Gruppengefüge an unterschiedlichen Vorstellungen und es kommt zu einer Art Hybris des Hauptdarstellers. Was sich so ähnlich anhört, gestaltet sich letztlich doch unterschiedlich:

In Hooligans reist ein gescheiterter Journalismus-Student nach England zu seiner Schwester um dort Klarheit über sich selbst zu erlangen. Durch den Bruder seines Schwagers gerät er in die Hooligan-Szene von West Ham United und erlebt dort zum ersten Mal so etwas wie Familie und Anerkennung. Als "Presseheini", was er zunächst verleugnet, aber später aufgedeckt wird, ist er eigentlich eine geächtete Figur. Er findet desweiteren heraus, dass sein Schwager der berühmte "Major", eine Legende seiner "Firma", wie sich die Hooligan-Gangs nennen, ist. Ohne zu sehr ins Detail einzugehen: am Ende liegt der Schwager im Krankenhaus, seine Ehe ist gescheitert und sein Bruder ist tot. Der Hauptdarsteller reist zurück nach Amerika, um sich an seinem Kommilitonen zu rächen.

This is England dagegen beschreibt die Geschichte eines 12-jährigen Jungens Anfang der 1980er, ein krasser Außenseiter, dessen Vater im Falklandkrieg gefallen ist. Nur bei einer Bande von smarten Skins findet er die Familie, die er braucht. Als ein ehemaliger Freund der Bande aus dem Knast zurückkehrt, versucht dieser die Skins in die National Front zu bringen und zerstört letztlich das Gruppengefüge. Als er völlig bekifft einen schwarzen Skin halbtot prügelt, erkennt der Junge seine Fehler und löst sich von seinem Ersatzvater.

Kritik

Mit Stars kann nur Hooligans aufwarten, der mit Frodo Elijah Wood einen bekannten Hauptdarsteller an Bord hat. Die schauspielerische Leistung in Hooligans ist überraschend gut. Man nimmt Wood tatsächlich seine Rolle ab, auch die restlichen Darsteller überzeugen, insbesondere der charismatische, an der Grenze zwischen Wahnsinn, Selbstüberschätzung und Führungsrolle liegende Anführer der Hooligans, gespielt von Charlie Hunnam, kann überzeugen. Die Geschichte ist gut erzählt und wirkt in Teilen glaubwürdig. Allein das verherrlichende Ende und die ach-so-tollen Worte des Anführers, die dem Hauptdarsteller noch weiter im Ohr liegen, als dieser wieder seine tolle Yuppie-Karriere aufnehmen will, trüben den an sich guten Gesamteindruck. Denn das ist ein großes Problem: Eine Distanz zum Gezeigten fehlt fast völlig. So wirkt der Film über weite Stellen fast wie ein Hooligan-Werbefilm.

Im direkten Vergleich mit This Is England stinkt Hooligans aber ganz klar ab. Ich habe selten einen Film gesehen, der solch authentische, realistische Charaktere gezeichnet hätte. Man nimmt sämtlichen Beteiligten ihre Rollen ab. Hervorzuheben ist die Leistung der, zum Zeitpunkt der Veröffentlichung gerade mal 14 Jahre alte, Hauptdarsteller Thomas Turgoose. Im Laufe des Films wandelt er sich vom sympathischen Außenseiter zu einem brutal aussehenden Jüngling, der nach der Katharsis wieder von vorne anfängt. Hier liegt auch der große Pluspunkt des Films, man entwickelt Sympathie mit den Hauptpersonen, selbst der brutale und asoziale Naziskin zeigt an diversen Stellen des Films ein menschliches Gesicht, etwas was in Hooligans fast komplett fehlt. Denn dort sind die Gegner gesichtslose Schlägerbanden, selbst der Anführer des gegnerischen Teams, der seinen Sohn bei den Schlägereien verlor, ist entmenschlicht und taugt, wie in einem Kickboxerfilm, nur noch als Bösewicht. Dass der Soundtrack zu This Is England auch besser ist muss ich wohl nicht erwähnen, oder?

Noch eine Anmerkung: Wer in den Genuss der DVD-Fassung kommt, sollte This Is England unbedingt in der englischen OF mit zugeschalteten UT schauen. Der Akzent ist wirklich beeindruckend unverständlich.... Auch das Ansehen von Hooligans in der OF lohnt sich, die Übersetzung der Fußballgesänge ist nämlich eine Beleidigung an den Zuschauer.

Links: Hooligans (Offizielle Homepage), This Is England (Offizielle Homepage)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

im this is england schwätze die awwa kä cockney. die sinn doch irgendwo ausm norde.

Gripweed hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Gripweed hat gesagt…

Nedd? Hat sich awwer so angeheert... Habsemol entfernt...