Mittwoch, 24. Dezember 2008

X-Mas


Der Mann, von dem ich nun sprechen will, hat einen langen, weißen Rauschebart, ist relativ korpulent, um nicht zu sagen dick. Seine Kleidung ist rot, mit weißem Kragen. Außerdem trägt er schwere Stiefel und eine rote Pudelmütze. Sein Haar ist schneeweiß. Er ist weder verwandt noch verschwägert mit dem Nikolaus, dennoch verlässt er nur zur Weihnachtszeit sein Haus. Er trägt einen dicken, schweren Sack und ist meist in Begleitung von mehreren Rentieren, eines davon mit roter Nase.

Jetzt, in der Weihnachtszeit, ist er auf Fröhlichkeit getrimmt, doch spätestens am 27. Dezember überkommt ihn eine schwere Melancholie, die sich bis zum nächsten Herbst zu einer Depression steigert. Bis zum nächsten Oktober, vielleicht sogar schon bis zum September (die Urlaubszeiten werden im Zeichen der Globalisierung immer kürzer) verlässt er das Haus nicht. Dann denkt er nach, reflektiert das diesjährige Weihnachtsfest. War die Differenzierung erfolgreich? Hat er wirklich nur die braven Kinder beschenkt? Was war mit dem kleinen Rüdiger, der ihm auf den Schoss gepinkelt hat? War da die Wii berechtigt? Hat die Qualitätssicherung funktioniert? Hat auch jeder das bekommen, was er sich gewünscht hat? Und was ist mit denen, die sich das Falsche gewünscht haben, es aber nicht besser wussten? Und die Briefe von den armen Hindus, Moslems und den Angehörigen anderen Weltreligionen? Ist es wirklich ok, dass er diese unbeantwortet lassen musste? So viele Selbstzweifel bleiben bis zum nächsten Weihnachtsfest. Und dennoch tönt er auch im nächsten Jahr wieder "Ho-ho-ho."


In diesem Sinne: Ein schönes Weihnachtsfest allen Lesern dieses Blogs.

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