Samstag, 6. Dezember 2008

Filthfest 2008 - Garage Saarbrücken


Wieder eines dieser dubiosen 18-Uhr-Konzerte und dementsprechend wieder spät dran. Asrai habe ich verpasst, laut Augen- und Ohrenzeugenberichten aber wohl ungoutierbarer Mist. Septic Flesh lagen in den letzten Zügen, umso besser das ich sie schon im Vorprogramm von Vader gesehen habe. Einfach eine klasse Band!

Moonspell betraten nun die Bühne und legten zu meiner Freude den Fokus auf ihre alten Stücke. So kam man in den Genuss von Vampiria und Opium, zweier Klassiker des, nennen wir es mal Gothic Metal, der Portugiesen. Untermalt wurde das ganze von einer hübschen Bildschirmschoner-Show im Hintergrund. Allerdings rate ich der Band, sich einen neuen Rechner zuzulegen, dann stocken die Animationen auch nicht so ;-)

Gorgoroth
begannen und meine erste Reaktion war: "Singt der live?". Nun, anscheinend schon, aber erstmal weiter im Text. Die Bühne wurde flankiert von einer nackten Tusse auf der einen und einem nackten Bengel auf der anderen Seite. Beide vermummt, beide am Kreuz. Interessant, aber irgendwie ziemlich unnötig. Die Band dann ganz schön evil, das Publikum hochmotiviert. Das Stageacting des Sängers beschränkte sich auf das Heben eines Armes und mit dem Finger zeigen auf einen im Publikum. Dabei weiß man doch seit dem Kindergarten: Mit dem nackten Finger soll man nicht auf andere Leute zeigen. Naja, gut, er hatte ja auch Handschuhe an. Besser daher das Zitat von Gustav Heinemann: "Wer mit dem Zeigefinger auf andere Leute zeigt, sollte nie vergessen, dass drei Finger seiner Hand auf ihn selbst zeigen." Achso, Ansagen gabs auch nicht, dafür reines Geknüppel. Ab gings, zumindest für 20 Minuten... Dann ging die Band von der Bühne und die Nackten wurden befreit. Was war passiert? Die Gerüchteküche brodelte, das Gestammel des Sängers hatte eh keiner verstanden. Anscheinend hatte die Stimme des Gaahls versagt. Ziemliche Verarsche würde ich sagen, da einige wohl nur wegen denen angereist waren. Vielleicht war er ja auch vom Penis des "Kreuzständers" abgelenkt. Auf der Toilette hörte ich schon Gerede von Gaygoroth, ich war ja für Gorgayroth, aber später in der Eisikuh ließ ich mich zu Gaygayroth hinreißen.

Ok, das war etwas unter die Gürtellinie und es ist auch nicht p.c. sich über die geschlechtliche Neigung anderer Menschen lustig zu machen. ABER: hier habe ich meine Gründe, denn IMHO hatte das Outing des Sängers nur einen Sinn: von seinem menschenverachtenden Charakter abzulenken. Faschismusvorwürfe, Haftstrafe wegen Folter, absurd-dümmliche Erklärungsversuche hinweggewischt durch die simple Tatsache, dass er auf Männer steht. Westerwelle hats ja auch nicht geschadet. Leider, leider ändert das aber nichts an dem Unsinn, den dieser Aushilfsbösewicht verzapft, auch wenn ihn jetzt das RockHard umarmt, wie Fenriz Götz nach dem fünften Bier... Alles vergeben und vergessen... Scheiß drauf... Fickt euch Gorgoroth...

So, jetzt hatte ich mir vorgenommen, einen richtig üblen Verriss über Cradle of Filth zu verfassen. Komplett mit dem ganzen Underground-Geschmetter, üblen Vorwürfen und natürlich wie immer mit erlesener Wortwahl. Das war der Plan. Tja, leider, leider wurde mein Weltbild erschüttert. Der immer mehr wie Brandon Lee aussehende Dani und seine Mannen lieferten eine super Show ab, mit allem was das Herz begehrt: Pyros (eingeschränkt), Videoshow und vor allem einem sehr agilen Frontmann, dem man den Spaß an der Sache ansehen konnte. Naja, irgendwie hätte ich mir ja denken können, das meine jugendlich-pubertäre Meinung 15 Jahre (*schnüff*) später dann doch vielleicht etwas überholt sein dürfte. Also nix mehr mit trve, vielleicht gehe ich dann demnächst zu Slipknot und Limp Bizkit (Gott bewahre). Nee, ernsthaft, gutes Konzert und auch musikalisch super. Ich kann es immer noch nicht fassen...

Danke noch an den Metaller der Bier über meine Schuhe ausgegossen hat und mir dann tatsächlich ein Getränk derselben Sorte ausgegeben hat, sowie alle anderen, die ich getroffen und zugelabert habe. Ah, und bevor ichs vergesse: schönen Gruß an die Dame, die das Cradle of Filth-Konzert mit der Love Parade verwechselt hat. Ich bin vielleicht vntrve, aber man sieht, es gibt immer noch eine Steigerung...

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

„menschenverachtenden Charakter“? „Faschismusvorwürfe“? Wegen was genau? Das Trelldom-Interview im „Holocaust“ aus Polen um 1995 (wenn ja, warum, wie hier geschrieben, erst letztes Jahr kurz vor „Bekanntwerden“ seiner Homosexualität und Jahre nach seinem Einstieg bei Gorgoroth)? Die Sache mit der Nazi-Gang ist laut Interview mit dem „Rock Hard“ jedenfalls länger her. Und ob das mit der Folter so stimmt oder nur behauptet wurde und es „nur“ Körperverletzung war, bin ich mir nicht sicher, bin seinen Gesetzeskonflikten aber nicht konkret auf den Grund gegangen. Was bei Westerwelle für eine Situation vor und nach dem Outing (das an mir vorbeiging) vorherrschte, weiß ich nicht, der hat mich nie interessiert.