Dienstag, 2. Dezember 2008

Talco, Redkick und Auslaufmodell - JUZ Neunkirchen


Samstag Abend, keiner Lust was zu machen. Neunkirchen? "Zu weit!" "Bin heut net in der Stimmung" "Ich gebe dir Bescheid!" Tja, Pustekuchen... Also ab alleine ins JUZ. Schön spät los, um Auslaufmodell zu verpassen, aber Pustekuchen, die spielten natürlich immer noch. Scheiße. Ok, ich hatte sie schlechter in Erinnerung. Tatsächlich können sie nun mehrere Riffs spielen und der Sänger variiert tatsächlich auch mal die Stimme. Die Meute (mehr als 10!) verlangte sogar nach einer Zugabe. Mit dem Toxoplasma-Cover Asozial, gegen meine Erwartungen eine gelungene Version, war dann Schluss.

Redkick legten dann los. Oi!-Punk mit Ska-Einflüssen aus Metz. Ich bin ja der Meinung, dass italienisch, spanisch und französisch perfekt für Streetpunk sind und die Jungs belegten mit ihren größtenteils französischsprachigen Texten meine Meinung mal wieder. Das junge Publikum, das zahlreich erschienen war, war auch gut am Pogen.

Trotzdem erstmal eine rauchen. Ohrenstopfen noch drin (Konzertjunkies brauchen sowas), als sich plötzlich Ärger neben mir regt. Genaues bekomme ich nicht mit, nur die beiden Schlagworte "Antifa" und "Oi! Skin" und schon sah man einen hektisch ins JUZ rennen, anscheinend Freunde alarmieren. Dann wurde die Diskussion lauter und der Skin wurde die Treppe runtergeschmissen. Dann die üblichen Drohgebärden und man fand sich auf der (Haupt-)Straße wieder. Dann formierten sich drei Gruppen: Sympathisanten des Oi!-Skins, die Antifa und deren Sympathisanten und natürlich die überwiegende Mehrheit der Besucher, die das ganze amüsiert, gleichgültig oder mit Argwohn beobachteten. Die Band hörte auf zu spielen, der Sänger kam raus und suchte laut rufend die Nazis. Da keine da waren ging er wieder rein. Dann wurde wieder rumgeschubst und ein Auto musste bremsen. 5 Minuten später kamen vier grün-weiße Partybusse mit Festbeleuchtung an. Die Polizisten sahen etwas ratlos aus. Was sollten sie auch tun? Wenn keine Nazis da sind, backt man sich halt welche. Musste ja so kommen, wenn ein Konzert von Cable Street Beat Saar und S.H.A.R.P. Saar-Crew organisiert wird. Typischer Jugendkulturenscheiß wohl. Nur sollte man sich dann nicht wundern, wenn irgendwann jemand die Gelder für ein so mühsam erobertes Stückchen Freiraum streicht. Eines war das Ganze nämlich durchaus: Unnötig und gefährlich.

Die Band spielte zur Deeskalation weiter und irgendwann waren die Skinheads und dann auch die Polizei weg und es ging weiter. Redkick lieferten dann auch einen Supergig ab.

Mittlerweile kam auch ein Kollege an, der aber nach Redkick direkt wieder fuhr. Zum Glück hatte ich noch eine flüchtige Bekannte von früher wieder getroffen und musste nicht mehr alleine rumstehen.

Talco aus Italien spielten dann schnellen Ska mit Bläsern. Die Lieder waren in Heimatsprache geschrieben, so dass ich nur "Bella Ciao" und "Katjuscha" erkannte. Der Rest war wohl eine Mischung aus eigenkomponierten und traditionellen Arbeiterliedern. Sehr cool, die Band ausnahmslos am Toben und außer Rand und Band. Die Menge war am Skanken und Tanzen, was das Zeug hielt, verringerte sich aber auf Grund der vorangeschrittenen Zeit und der Verkehrslage (letzter Bus/Zug) zunehmend rasant. Um 0:30 Uhr war dann Schicht im Schacht, leider verzichtete Talco dann auch auf eine Zugabe. Die Jungs sind übrigens bei Mad Butcher unter Vertrag. Die drei Alben lohnen sich auf jeden Fall, ich selbst habe die Combat Circus erworben. Wollte eigentlich die auf der Katjuscha drauf ist, aber der Verkäufer hat einfach nicht verstanden, dass ich das Backcover sehen wollte. Also drehte er mir die mit Bella Ciao an, bereut habe ich es nicht. Super Band!

Fazit: Kurzweiliges Konzert mit einigen Höhepunkten und einem super Begleitprogramm

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