Montag, 22. September 2008

Loikaemie - 22.09.2008



Erst mein drittes Oi!-Konzert nach Red London und Oxymoron (außer man zählt noch Pöbel & Gesocks und die Dropkick Murphys mit). Das Konzert stand von Anfang an unter schlechten Vorzeichen, wurde es doch vom geräumigen Roxy in den ungleich kleineren "Kleinen Club" der Garage verlegt. Und dann auch noch auf dem Hinweg ne schwarze Katze von rechts nach links. Naja, zum Glück habe ich sie nicht überfahren. Kollegen eingepackt und los gings zum Veranstaltungsort.

Dort standen dann entgegen der Erwartung doch einige Leute rum und waren am Trinken und Rauchen (ach ja, das Verbot). Dann durch die Einlasskontrolle, wo meine ganze Kutte gefilzt wurde. Viel Spaß bei den Innentaschen wollte ich noch wünschen... Also, fünf Minuten Verzögerung und ab rein. Bier und abwarten.

Der Support betrat die Bühne, schätzungsweise so zwischen 15 und 18, die Jungs. Ein Criminal Class-T-Shirt ließ dann erstmal auf Crust schließen und ich glaube das sollte der Musikstil der Band aus Merzig, deren Namen ich ganze fünfmal nicht verstanden habe, auch darstellen. Laut Eigenbeschreibung (hab nämlich gerade ihre MySpace-Seite gefunden) Punk / Hardcore und jetzt weiß ich auch ihren Namen: Sick Agenda. Puh, das Lied auf ihrer MySpace-Seite klang ja ganz nett, aber irgendwie sind sie doch sehr eingeschränkt. Jedes Lied klang gleich, da verwundert es auch nicht, dass das Publikum ihnen die kalte Schulter zeigte. Ich habe noch nie eine Vorband (abgesehen vielleicht von Schacht im Vorprogramm von Knorkator) dermaßen abloosen gesehen. Nach dem ersten Lied setzte der Applaus nach 10 Sekunden erst ein. Nach dem zweiten applaudierte genau einer (!), obwohl der Saal zur Hälfte gefüllt war. Die Aufforderung doch bitte nach vorne zu kommen, klang mehr ängstlich als fordernd. Ein paar Lieder später war der Spuk vorbei und ein paar nette Jungs tanzten zum Abschlusslied sogar Pogo.

Nach dem desaströsen Auftakt betraten nach kurzer Umbaupause dann Loikaemie die Bühne, die auch direkt richtig gefeiert wurden. Ein Set voller Höhepunkte, wie "Wir sind die Skins" direkt gefolgt von "Gewalttätig", "Mädchen" und "Wir kommen auf die Welt". Auch mein Lieblingslied "Oi! Oi! That's Yer Lot" wurde gespielt. Auch ein paar Lieder von der neuen Platte "Join the Underground". Am besten bei der Meute, die den ganzen Gig eifrig Pogo tanzte, kam wohl "Good Night White Pride" an. Natürlich gefiel mir "Haar im Bier" nicht, aber man kann ja nicht alles haben. Ich persönlich habe noch "Als ich vierzehn war" und "Ein Skinhead ohne Stiefel" vermisst. Vom neuen Album wäre natürlich "You Shook Me All Night Long" schön gewesen. Die letzten paar Lieder kamen aus der Mottenkiste und wirkten auch etwas langweilig. Im Saal war es mittlerweile kochend heiß, dennoch wollte der Mob nach dem letzten Lied noch mehr. Die Band kam wieder auf die Bühne und stimmte zum zweiten Mal "Good Night White Pride" an. Was soll sowas...? Danach war Schluss, obwohl das Publikum lautstark nach mehr rief. Ein etwas komischer Abgang für ein ansonsten gelungenes Konzert.

So und wenn mein Fotograf mir die Bilder rüberschickt, gibts auch noch was fürs Auge, so erstmal nur der Flyer...

Update
Bilder sind leider nichts geworden...

Samstag, 20. September 2008

AJZ Homburg 19. 09.2008




Yeah, Freitag Abend nix zu tun, keine Begleitung in Sicht, also wat tun. Auf komischen Seiten rumgesurft und einen Konzerttermin im AJZ Homburg entdeckt. Naja, was soll man machen, also ab alleine dahin... Zum ersten Mal den neuen Standort besuchen. Beginn 20:00 Uhr, wohlweislich, dass sich nix geändert haben kann, also um kurz vor 21:30 ab nach Homburg. Erstmal Ernüchterung, wo ist dieses verdammte AJZ? Durch Erbach geirrt, keine Punkrocker gefunden. Straßenplan lotste mich dank falscher Adressenangabe in die völlig falsche Richtung. Am McDonalds dann die Dorfgangsta-Jugend gefragt, die mich zuerst zum Güterbahnhof schicken wollten, aber ihnen dann doch noch einfiel, dass das Dingens in einem AWO-Gebäude liegt und grade um die Ecke ist. Danke dafür, falls jemand das lesen sollte.

Am Veranstaltungsort angekommen, erstmal die Ernüchterung. Zwei Bands haben schon gespielt, also scheint sich tatsächlich am Zeitmanagement etwas geändert zu haben. Nun ja, erstmal rein und Bier. Dort die zweite Ernüchterung: Aus den legendären, zweieinhalb Jahrzehnte bestehenden heiligen Hallen des wahrscheinlich besten Juzes im südwestdeutschen Raums, in dem Punkrockgeschichte geschrieben wurde und so ziemlich alles von Pöbel und Gesocks, Toxoplasma, Kassierer bis hin zu Hardcore-Größen wie Gorilla Biscuits sich die Klinke in die Hand gedrückt hat, hat die Stadt tatsächlich zwei wohnzimmergroße Räume gemacht. Seit meinem letzten Besuch in den alten Räumlichkeiten (Toxoplasma-Konzert) hat sich auch das Personal mal wieder verjüngt, wat soll man machen...

Von einem ganz netten Besoffenen, dessen Namen ich leider vergessen habe (keine Angst, ich denke an deine Kippenschuld!), dann unter die Fittiche genommen, musste ich den Abend zum Glück nicht in selbstgewählter Isolation verbringen. Zum Glück auch keine Scherze über Gehstöcke oder Rheumadecken...

Dann gings auch schon los, ich nehme mal an, es waren Cambodia, leider die Bandansage nicht gehört und auf meine Frage konnte später auch keiner der Anwesenden reagieren. Später stellten sie sich noch als Pussycat Dolls, aber die sehen glaub ich attraktiver und weiblicher aus, und als Milli Vanilli, die sehen nur weiblicher aus ;-) vor. Sound beschissen, aber die Jungs motiviert und witzig. das volle Gitarrenposing, was bei der etwas, sagen wir simplen, Musik dann natürlich auch nicht ganz so schwerfällt. Jedenfalls ganz ok, auch wenn die Band am Ende nicht sehr zufrieden wirkte.

Als nächstes dann Inzane, die leider auf Grund der Fluktuation nur noch 10-13 Zuschauer hatten, von denen sie die meisten auch selbst mitgebracht haben. Schade eigentlich, die relativ syampathischen bösen Death-Grind-Black-Liebhaber, wie man an den T-Shirts erkennen konnte, lieferten das volle Grindcore-Brett ab. Grunz- und Kreischgesang im Wechsel vom gleichen Sänger und Geknüppel pur. Danke auch an die Widmung an mich, allerdings habe ich leider nix verstanden, weil mein besoffener Rawside-Fan-Kollege mich grade um Blättchen anschnorrte. Entweder sollte ich mich bewegen oder die CD kaufen (beides habe ich trotzdem nicht gemacht), da ich wohl der Einzige war, den sie nicht kannten. Jedenfalls, mir hats gefallen. Bei Gelegenheit gerne wieder. Nach zwei Zugaben war aber dann auch hier Schluß und ich verlies den Konzertort. Was bleibt ist ein durchaus positiver Eindruck vom neuen, wenn auch kleineren Juz und zwei Bands mehr auf meiner Konzertliste. Die jeweiligen MySpace-Seiten sind für Interessierte verlinkt.

AJZ Homburg

MySpace vom AJZ

Dienstag, 9. September 2008

Juz Neunkirchen - Le Cuit & les Cascadeurs de l'extreme


Am Samstag, dem 6. September reiste aus dem fernen Frankreich die Band "Le Cuit et les Cascadeurs de L'Extreme" an. Längst in Frankreich vom Geheimtipp zum Star angereift, beehrten sie als erste Station ihrer Welttournee auch das beschauliche Neunkircher Jugendzentrum. Wegen der örtlichen Begebenheiten musste die aufwändige Stageshow des Bäckers und der Stuntmänner ausfallen. An Feuerspucken und die Darbietung einer menschlichen Fackel war auf Grund derDeckenhöhe leider nicht zu denken.

Eine örtliche Vorband musste leider aus bisher unbekannten Gründen absagen. Stattdessen sollte das Tanzbein geschwungen werden, eine 60's Garage Powerpop Party eröffnete das Reigen. Leider fehlte es an Tänzern, so dass die Undergroundklassiker nur dezente Hintergrundmusik für das trinkende und sich unterhaltende Publikum war. Kurz vor 10 Uhr betrat die Band dann unter frenetischem Beifall des etwas spärlich angereisten Publikums die Bühne. Vom ersten Song, "Enemies", ein Cover von Radiators from Space, an war klar, was die nächste Dreiviertelstunde regierte: Grindcalypso Oi! Jazz, so die Eigenbezeichnung laut ihrem Theme-Song .

Doch schon beim nächsten Song ein kleines Problem, eine Seite des Ausnahmegitarristens war gerissen. Bei der energiegeladenen Show und den eleganten Riffs kein Wunder. Der slowhand clap entfiel, dafür ertönte ein Keyboard-Zwischenspiel über Drum-Impressionen. Relativ schnell war der Schaden behoben, und die Band nahm uns auf eine Zeitreise durch die 60er/70er Garagenpunk und Powerpop-Ära mit. Bei "Teenage Kicks" von den fantastischen Undertones schwang auch "Le Cuit" das Tanzbein. Einer der besten Songs, die je geschrieben wurden, wie John Peel schon richtig bemerkte. Mit "Brickfield Nights" von den Boys ein weiteres, absolutes Lieblingslied von mir, zeigte sich die Band in Höchstform. Wohl auch eines der wenigen Konzerte, wo ich mich dazu hinreißen lasse, mitzusingen. Auf Grund der Sprachbarriere blieb leider das Konzert komplett ansagenlos. Der Sound war für Juz-Verhältnisse recht gut, gegen Ende war nur der Gesang des Frontmannes etwas zu leise und dafür das Schlagzeug viel zu laut eingestellt.

Zu den weiteren Höhepunkten zählte "Don't Talk to Me" aus der Frühphase von G.G. Allin, "All Day and All of the Night" von den unvergleichlichen Kinks und "Who Do You Love?", einem der bekanntesten Garagenpunk-Lieder, im Original von Bo Diddley. Dazu zwei Eigenkompositionen, die sich nicht vor den übermächtigen Originalen zu verstecken abrauchen. Mit "Gotta Tell Me Why" der unterbewerteten D.C.-Band The Slickee Boys, endete dann eine 45-minütige Show.

Leider ließ sich die Band nicht zu einer Zugabe hinreißen, ich hätte ja durchaus ein zweites "Teenage Kicks" vertragen...

Link zum Veranstaltungsort