Samstag, 28. Februar 2009

Hellhounds Fest am 28. Februar 2009 in der Garage SB


Manchmal kommt man sich bei Konzerten etwas verarscht vor. Insbesondere, wenn man auf der Homepage des Veranstaltungsortes liest, das Gothminister am Anfang spielen sollen und man sich extra beeilt um pünktlich zu Beginn da zu sein. Dann stellt sich heraus, dass auf dem Plakat Scream Silence und Ava Inferi zusätzlich zu den mir unbekannten Novembre spielen und die letztgenannten schon auf der Bühne stehen. Dann rechnet man sich aus, dass wenn alle Vorbands so um die halbe Stunde spielen + Umbaupausen die beiden Hauptbands wohl eine 3/4 Stunde Zeit haben werden. Mist. Zuerst hieß es aber Ava Inferi ertragen, eine Art Nightwish für ganz, ganz Arme. Und dann kam es doch ganz anders, denn nun wurde das Schlagzeug der 69 Augen aufgebaut. Aha, also statt Mini-Festival doch nur eine normale Tour. Natürlich zum gleichen Preis. Dementsprechend waren auch relativ wenige Leute da.

69 Eyes betraten dann gut gelaunt und sichtlich motiviert zu einem 80s-Synthie-Pop-Stück (wie immer Mithilfe erwünscht) die Bühne. Ich bin ja kein großer Freund der Gruppe, die zwar durchaus nette Musik macht bzw. machen kann, aber unterhaltsam wars schon. Mir fehlt nur etwas die Credibility der Gruppe, insbesondere wegen ihrer früheren Werke und so sieht die Gruppe auch wie eine Patchwork-Band aus: vorne der Joey-Ramone-imitierende Sänger mit Perücke, ganz links und rechts Hardrock-Gitarrist und -Bassist, links der Punkergitarrist und am Schlagzeug der Horrorpunker. Letzterer lieferte auch eine fantastische Performance, wirbelte die Sticks durch die Luft, gab vor zu mit diesen zu onanieren und spuckte anschließend Wasser rum. Der Punk-Gitarrist dagegen wirkte irgendwie deplatziert und versuchte nur cool mit seiner Sonnenbrille zu posen. Die Show war jedenfalls gut und die Gruppe lieferte einen Querschnitt durch ihr Programm mit Liedern wie Gothic Girl, Never Say Die (Titel wohl von Black Sabbath geklaut), Christina Death, Plastic Skin, Berlin und Devils. Als Zugabe gabs dann noch Lost Boys und dann war Schluss. Irgendwie hatte ich jetzt Appetit auf die Ramones oder das neue Gunners-Album (ja, es gefällt mir).

Nach einer längeren Umbaupause betraten dann die Jungs von Tiamat + Aushilfskeyboarder Martin Brändström von Dark Tranquillity die Bühne. Hatte eigentlich wenig erwartet, da ich die Gruppe seit der Wildhoney aus den Augen verloren hatte. Eine sehr coole Überraschung, denn sie waren fantastisch. Sehr versiert, wenn auch seeeeehr langsam sind sie geworden. Das betrifft nicht nur die Musik, sondern auch die Bühnenshow. Oft hatte man den Eindruck Johan Edlund müsste plötzlich umkippen, wenn er sich zu schnell bewegen würde ;-) Aber interessant, wie man durch so eine Slo-Mo-Performance die Masse doch bewegen kann, denn die Publikumsreaktion war außergewöhnlich gut. Sie spielten viel neues Zeug, das mir bisher unbekannt war, z.B. Raining Dead Angels, A Deeper Kind of Slumber und Until the Hellhounds Sleep Again (aha, daher der Name des "Festivals". Geht jetzt ziemlich in die Nick-Cave-Richtung habe ich den Eindruck. Die Roots werden dabei auch nicht vergessen, so blinkte ein umgedrehtes Kreuz auf der Bühne rum. Sehr gutes Konzert jedenfalls, fürchte ich muss mir doch noch wa von Tiamat zulegen. Als Zugabe gabs dann Sleeping Beauty, dabei wurde die Gruppe unterstützt von einem Flowing Tears-Mitglied, denn sie von einer alten Tour kannten. Schöne Geste. Zum Abschluss dann noch Gaia, eines meiner Lieblingslieder von Tiamat. So, und um meinen Underground-Spirit nicht zu verlieren: Schade, dass sie nichts von Treblinka gespielt haben.

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