Mittwoch, 22. Juli 2009

Amphi Festival 2009 - Köln 18./19.07.2009


Wie letztes Jahr gings auf ein Stelldichein nach Köln. Auf Grund beruflicher Bedingungen leider erst um 10 losgefahren und gegen 16 Uhr Zeltaufbau im strömenden Regen abgeschlossen.

Erste Band des Tages waren damit Leæther Strip, die angeblich ein ganzes Genre begründet haben. Welches denn? Mist-Musik? Covenant folgten als nächstes, aber auch die fand ich nur leidlich nett. Also ab zu Feindflug... Hab ich mich wirklich drauf gefreut. Kannte zwar nur ein Lied, aber die Show war ab 18 freigegeben. Auch die streitbare Ausrichtung der Gruppe versprach ein kontroverses Konzertereignis. Also denkt man natürlich, dass einem da was geboten werde. Wie der Konjunktiv im letzten Satz deutlich machen soll, war dem leider nicht so. Harte Technobeats und Samples ohne Sinn waren angesagt und so blieb ich auch nur ein paar Lieder. Ich frage mich, wie die Anhänger der Gruppe die einzelnen Lieder unterscheiden können. "Also mein Lieblingslied ist ja das mit dem Ersten Weltkriegs-Sample!" - "Nee, das wo bei der Show immer die Foltersequenzen eingeblendet werden" - "Quatsch, das bei dem dem Keyboarder die Decke auffen Kopf gefallen ist." Ja, richtig gelesen! Zum Glück ist niemandem was passiert. Allerdings war das leider der Grund warum ich Laibach nicht gesehen habe. Alle anschließenden Konzerte wurden von der Rheinparkhalle in den wesentlich kleineren Tanzbrunnen verlegt. Das bedeutete eine Zeitverlegung des Laibach-Gigs und leider auch, dass sich vor dem Theater die Gruftis türmten. Und soviel Bock auf Drängelei hatte ich dann wirklich nicht. Von wegen Toleranz, Menschenmengen sind immer doof und es ist ja auch wirklich scheiß wichtig, dass kleine Gruftimädels ihren Freunden das Bier direkt in die erste Schlangenreihe bringen müssen, wenn ja klar ist, dass man sich nur an 2000 geduldig wartenden Besuchern vorbeidrängeln musste. Ja, auf Thunfischdose hatte ich dann keinen Bock und so ging der erste Tag mit einem Gefühl herber Enttäuschung ins Zeltbett, was meine Mitreisenden leider nicht allzu ernst nahmen.

Oh, jetzt hätte ich fast Fields of the Nephilim vergessen, Headliner am ersten Tag. Naja, Sisters of Mercy in langweilig. Ihr Hit Moonchild war aber ganz nett.


Nächster Tag, neues Glück. Auf Drängen der Mädels dann Mono Inc. gesehen und hübsche Bilder geschossen. Sind nun auch im Wikipedia-Eintrag zu bewundern. Musikalisch aber ganz und gar nicht meine Baustelle. Aber immer noch besser als die nachfolgenden Panzer AG. Gut aber, dass dann die fantastischen Horrorpunker von The Other im Theater auftraten. Mit Join the Undead Army legten sie auch gleich gut los und traten die nächste Stunde gehörig Arsch. Begleitet von witzigen Ansagen wie "Das ist unser Gitarrist mit seiner Gitarre. Die meisten von euch sehen dieses Instrument zum ersten Mal:" und "Wenigstens etwas lauter als bei den Techno-Parties gestern." geleiteten sie das Publikum durch einen Querschnitt ihres Programmes. Beware of Ghouls, Tarantula Lover's Lane und In the Dead Of Night zeigten, dass mit Horrorpunk auch heute noch zu rechnen ist. Schade nur, dass es wohl keiner Band gelingen wird an die Misfits heranzukommen. Mit dem deutschen Lied Der Tod steht dir gut können sie zumindest neue Akzente setzen (auch wenn das Lied unweigerlich an Bela B.s Lieder bei Die Ärzte und auf seinen Soloalben erinnert). Sehr guter Auftritt, nette Zombiemasken, was will man mehr?

Danach wollten wir eigentlich Jesus on Extasy gucken, doch die Halle war definitiv zu voll. Also Zeltabbau- und Essenspause.

Pünktlich zu Henke waren wir wieder da, doch leider hatte sich der Zeitplan etwas verzögert und die Mädels wollten zum Graf. Naja, Unheilig ist ja so gar nicht mein Fall. Wenigstens sang er diesmal überwiegend live und nur die Refrains kamen vom Band. Außerdem spielte er das einzige Lied, das mir gefällt (Maschine. Dennoch, ich kann mit diesem Modepüppchen-Gruftie-Sexsymbol mit unglaublich pathetischen Texten nichts anfangen. Als Publikumsmagnet wirkte er aber wohl ganz wunderbar. Dass Frauen auf sowas stehen ist mir ja noch verständlich. Aber Leute in METAL-Shirts? Tut mir leid, da muss ich kotzen! Egal, ging jedenfalls rum und war auch gar nicht so schlimm.

Dann auf zur nächsten Drängelei. KMFDM spielten im Theater, das bis zum letzten Platz dicht war. Ich hoffte nur, dass die überwiegende Mehrheit der Leute spätestens 20 Minuten später zu Front 242 abhauen würden. KEIN MITLEID FÜR DIE MEHRHEIT. Oh Mann, fühlte sich das gut an... harte Beats, anarchistische Texte, kaum Ansagen, einfach nur harte, knochentrockene Musik. Ja, ich musste tanzen. Na gut, Kopf schütteln, ab und zu mal vor und zurück und Fäuste ballen. Aber andere erledigten das Tanzen auch wesentlich graziler als ich. Genialer Gig! (Laut Ansicht der Frauen: Nur Krach!) Nach dem fantastischen KMFDM Is a Drug Against War leider schon Schluss.

Schluss auch für das Festival. Aus der Ferne lauschte ich noch Front 242, während die Mädels zum letzten Mal shoppen waren und dann ließen wir The Gathering und Camouflage The Gathering und Camouflage sein und machten uns auf den Heimweg.

Fazit:
Schade wegen Laibach, ansonsten gut durchorganisiertes Festival. Ein, zwei gute Bands gesehen. Nächstes Jahr eventuell wieder.

Top-3-Shirts:
1. Minimal
2. Südberlin Maskulin (das ist wahre Individualität)
3. The Smiths (ach, schön)

Neueerwerbungen:
Death in June: Nada!
Kirlian Camera: Invisible Front. 2005
Umbra et Imago: Machina Mundi
MZ 412: Burning the Temple of God (endlich!!!)

Link: Amphi-Festival

Donnerstag, 2. Juli 2009

Suicidal Tendencies in der Garage Saarbrücken am 30. Juni 2009

Pünktlich zu Waterdown habe ich die nunmehr (durch Vorhang) kleineren heiligen Halle der Garage betreten. Waterdown hatte mich ja schon im Herbst des letzten Jahres positiv überrascht (siehe hier). Für sie hatte der Auftritt wohl auch etwas von Heldenverehrung, denn sie betonten ständig, wie stolz sie seien, hier spielen zu dürfen. Leider Anfangs mit derben Soundproblemen, die sich jedoch im Laufe des Auftritts merklich besserten. Ein paar Songs von der großartigen EP inklusive einer gelungenen Snapcase-Coverversion (Caboose) später beendeten sie ihren Auftritt und bekamen mehr als nur Achtungsapplaus.

Die Halle füllte sich nun sichtlich und Hip-Hop-Beats dröhnten aus den Boxen. Die Umbauphase dauerte leider etwas länger, dann betraten Suicidal Tendencies nach der Ankündigung durch einen Kollegen die Bühne und legten mit You Can't Bring Me Down los. Krass, wie agil Mike Muir über die Bühne hopste. Wie ein junger Derwisch und nicht wie ein Mann zwischen 40 und 50 animierte Mike die Menge zum Mitsingen, Hoppeln und Pogo. Leider verstand man von seinen Ansagen kein einziges Wort, seltsamer Slang. Der Hammer war der etwas korpulentere Schlagzeuger. Ich habe noch nie so einen dicken Schwarzen gesehen. Wer Mable (bzw. Viscera) noch kennt, der weiß ungefähr wie er aussieht. Aber sein Handwerk beherrschte er ohne Frage. Beim Schlagzeugsolo ließ er die Stöcke zwischen seinen Fingern rotieren und zeigte sich doch tatsächlich sehr agil. Also etwas, was man von einem Menschen, der es mit Poison Idea alleine aufnehmen könnte, nicht gerade erwartete. Suicidal Tendencies ließen dann ihren eigenen Kult hochleben, immer wieder "ST, ST, ST"-Rufe und selbstreferentielle Lieder, wie We Are Family und Cyco Vision. Auch ein neues Lied namens Come Alive wurde aufgeführt. Am besten gefielen mir die alten Klassiker wie Possessed to Skate, War Inside My Head und Feel Like Shit. Das Publikum war sehr enthusiastisch, sogar ein paar Bandana-Träger aus den Mittachtzigern waren anwesend. Muss wohl grade Fasching sein ...

Nach How Will I Laugh Tomorrow war dann erstmal Schluss. Der Schlagzeuger animierte das Publikum dann für die Zugabe und los gings mit I Shot Reagan, Hammertrack! Anschließend luden die Suicidals zur letzten Selbstbeweihräucherung ein: Pledge Your Allegiance. Das Publikum strömte in Scharen auf die Bühne und feierte eine hübsche Party. Doch aller Spaß geht mal zu Ende...

Kritikpunkte: I Saw Your Mommy wurde einfach hingerotzt, kein Facist Pig, kein Institutionalized.

Link: Fotogalerie auf Sol.de