Dienstag, 24. November 2009

Hannes Wader - Bürgerhaus Neunkirchen am 24.11.2009


Wader ist neben Franz-Josef Degenhardt, weit vor Konstantin Wecker und sehr weit vor Reinhard Mey mein liebster Liedermacher der alten Schule. Dem Neunkircher Kulturverein ist zu danken, dass ich und ca. 300 weitere Personen in den Genuss kamen, den Altmeister live erleben zu dürfen. Wie ist es nun? Sind die politischen Texte Vergangenheit? Ist Wader zur Ruhe gekommen?

Nun, zuerst einmal ist der Bart ab. Wader legt mit seinem größten Erfolg Heute hier, morgen dort los, überrascht dann durch seine längere Ansage zu seinem Hippieklassiker Charley und erledigt damit direkt die Anfangsfrage und lässt sie zur rhetorischen verkommen. Bei Heute hier... fällt die englische Strophe gegen Ende auf, etwas dass sich durch den gesamten Abend zieht. Bei seinen zahlreichen Coverversionen verwendet er immer wieder Originaltexte. Zu den Highlights des ersten Teils gehörten eine deutsche Fassung des Liedes Les feuilles mortes („Die welken Blätter“) von Jacques Prévert, für die er "nur" 40 Jahre gebraucht hatte, ein deutsches Cover von Last Thing on My Mind (Tom Paxton) und ein englisches Volkslied, das er ebenfalls ins Deutsche übertragen hatte und mit dem er sich laut eigener Aussage mit dem Älterwerden auseinandersetzte. Mit dem tollen Traumtänzer wurde dann die Pause eingeleitet.

Nach der Pause ging es mit einem Pete-Seeger-Part anlässlich dessen 90. Geburtstags weiter. Traum vom Frieden (Last Night I Had the Strangest Dream), Wo sind all die Blumen hin? (Where Have All The Flower's Gone), sowie ein paar Lieder, die er zum ersten Mal von Seeger hörte. Zu diesen gab es auch eine kleine Geschichtsstunde: Richard Blumes Die Gedanken sind frei und das spanische Revolutionslied Mamma Mita. Es folgte eine brandneue, noch titellose Coverversion von Turn, Turn, Turn und Die Moorsoldaten (wahrscheinlich eins der Lieder, die am meisten unter die Haut gehen, man beachte Entstehungszeit und -ort). Danach folgte das nicht minder politische Die Mine über den skrupellosen Einsatz von Landminen und eine modernisierte Version von Trotz Alledem. Diesmal gemünzt auf den Neoliberalismus. Mit Schon so lang wurde der Zugabenteil eingeleitet. Zum Abschluss gab es noch ein Plattdeutsches Lied.

Ein sehr guter Auftritt, auch wenn mal wieder ein paar Favoriten wie Bella Ciao und das Einheitsfrontlied fehlten (naja, bei der derzeitigen Lage des Sozialismus... verständlich).

Links: Hannes Wader - Neunkircher Kulturgesellschaft

Freitag, 13. November 2009

God Dethroned & Endstille live im Club Caesar/Neunkirchen 11.11.2009


Tja, die Serie desillusionierender Black-Metal-Konzerte nimmt kein Ende. Vorsorglich Hollenthon verpassend kam ich so gegen 21 Uhr in die ehemalige Diskothek in Neunkirchen und war erstmal verwundert das gerade mal 100 Leutchen da waren. Erstmal mit der seltsamen Getränkekarte Bier bestellt und dem Bühnenumbau zugeguckt.


Lange brauchten die Jungs wahrlich nicht und dann kamen Endstille fast komplett geschminkt auf die Bühne. Am Gesang Lugubrem von Mordskog, der den ausgestiegenen Iblis ziemlich gut ersetzte. Tja, nicht die schlechteste Wahl, den der Sänger schien durchaus der Einzige zu sein, der sein "Instrument" beherrschte. Spielfehler en masse und das bei derart simpel gestrickten Black-Metal-Songs. Dazu noch ein Sound, der nur aus Gerumpel zu bestehen schien. Das Schlagzeug war eindeutig zu laut und sorgte dafür, dass man kaum mittig stehen konnte, ohne Gefahr zu riskieren den Kehlkopf eingedrückt zu bekommen. Sänger und Gitarrist mit ewig langem Bart waren dann auch der einzige Blickfang. Verstehe das nicht, hatte bisher nur Gutes von der Gruppe gehört. Den Fans schien es allerdings zu gefallen. Naja, jedem das Seine. Im Ohr hängen blieb mir nur I Am God und das Lied mit dem Adolf-Hitler-ist-tot-Intro. Vielleicht sind sie beim nächsten Konzert besser und haben an diesem Abend einfach zuviel Rotwein und Bier genossen.

God Dethroned hatte ich eigentlich in meiner Liste an guten death-Metal-Bands ziemlich weit unten eingeordnet und eigentlich eher als belanglos in Erinnerung. So dachte ich dann auch der stolze Preis von 20 Euronen wäre umsonst ausgegeben worden. Aber dann kam es doch anders: God Dethroned waren richtig geil und boten einen runden Querschnitt durch ihre Karriere. Von den Anfängen mit Liedern von Bloody Blasphemy und The Grand Grimoire , der mittleren Karrierephase mit Consumed By Darkness oder Soul Sweeperund Songs vom neuen Album war alles dabei. Sehr gut fand ich vor allem die dezenten Heavy-Metal-Solos, die sich sehr gut in den ansonsten harten und brutalen Death-Metal-Stil integrierten, Sie waren sich auch nicht zu schade Stage-Acting zu zeigen. Insbesondere Gitarristin Susan Gerl bangte wie die Hölle und auch der Frontmann machte eine gute Figur. Die (überraschende) Rettung des Abends. Leider ohne Zugabe war dann um 23:30 Schluss.

Links: Club Caesar - Endstille - God Dethroned

The ´S Listening Session

Großes haben die ehemaligen Franzosen (hähä) von Le Cuit et les Cascadeurs de L'extreme vor. Nach einer Zwangspause und einem halbgaren, aber arschtretenden Auftritt auf einer Geburtstagsfeier haben die nun unter dem Namen "The ´S" firmierende Band das Studio geentert und mal flux eine hoffentlich bald erscheinende 10'' aufgenommen. Der immer objektiv wertende Autor dieses Blogs war nun zu Gast bei einem der angehenden Rockstars und kann nun nach einer feucht-fröhlichen Listening-Session Glorreiches vermelden.

Zunächst fällt auf, das vom Powerpop nur noch wenig übrig ist. Die Gruppe hat sich zu einem waschechten Hardcore-Inferno entwickelt, dass jedoch nicht auf die Keyboards verzichten will. Aber der Reihe nach:

Nach dem gelungenen Intro Doomunder, wohl eine Hommage an die Australienreise des Lead-Gitarristen, geht es direkt los mit dem ersten Hit ''Shavenue''. Darauf folgt der kurze Punkrocker 1,2 Fuck You. Man beachte hier, wie auch bei den anderen Songs die fantastischen Wortspiele, die ihre Bedeutung nur bei schneller und verwaschener Aussprache entfalten. Mit I Don´t Care bewegt sich The ´S dann auf ausgetretenen Punkrock-Pfaden. Gut, knapp, kurz aber nichts weltbewegendes. Nicht so wie das folgende Walk the Dog, das vor allem von einer hübschen Kirmesorgel und der Slide-Gitarre lebt. Auch Hairy Girls on Acid wartet mit Überraschungen auf. So sind hier sehr schöne Klatschpassagen zu finden. Born with a Hole in my Pocket enthält hübsche Oi-Singalongs und besticht durch eine sehr gute Gesangsleistung. Liquor in the Front (Pole in the back) hat einige sehr coole Solos. Anschließend folgt Most Beautiful Babies, das ohne Leadgitarre auskommt. Dann ist leider auch schon Schluß, der Einzeiler Till the End beendet das Debütwerk der durchgängig sympathischen Punkrocker.

Hoffen wir, dass die erste Pressung bald in Angriff genommen wird und Liveauftritte folgen.