Freitag, 5. November 2010

Yuppicide am 22. Oktober 2010 / Garage Saarbrücken

Jaja, die Hardcore-Punk-Fans bekommen in letzter Zeit einiges geboten in Saarbrücken. Ich kann nur sagen, zu recht. Seit den glorreichen Tagen des AJZ und des P-Werks ist ja leider schon etwas Wasser die Saar runtergeflossen und hat anscheinend die HC-Crews weggespült. Heute verschlägt sich (im wahrsten Sinne des Wortes) nur noch die Proleten-Metalcore-Fraktion oder die schnarchnasigen Langweiler-Emos auf Konzerte. Erfrischend daher im kurzen Abstand zwei Legenden des NYHC , bevor er im Proletencore unterging, erleben zu dürfen. Auch genial, dass das Konzert auf Grund der großen Nachfrage in die Haupthalle der Garage umgelegt wurde. Die Soundanlage war zwar sichtlich auf kleinere Räume ausgelegt, aber Probleme gab es keine. Was mal wieder zeigt, dass viele Bands ihre Marshalls als Schwanzverlängerung benutzen dürften.


Los gings aber erstmal mit *gähn* Daily Riot aus Saarbrücken. Oft genug gesehen, fand ich deren Old-School-Hardcore früher noch ganz frisch, merkt man ihnen leider die 17 Jahre ohne musikalische Innovation an. Immer noch regiert der Knüppel. Naja, ist musikalisch einfach nicht mein Fall. Sie gaben sich live zwar allergrößte Mühe, Stimmung zu verbreiten, doch auch dieses hehre Ziel stieß beim Publikum auf taube Ohren. Ganz nett sind ja doch die deutschen Lieder, auch wenn deutschsprachiger Hardcore oft unfreiwillig komisch wirkt. Aber ich habe eben eine Schwäche für Baffdecks, Loxiran und Diavolo Rosso.

Ja, Manifestation, nun, die habe ich leider verquatscht und kann nix Negatives und nix Positives über die Saarlouiser Buwwen erzählen. Versuchts mal bei MySpace.

Yuppicide
Yuppicide kannte ich davor nur vom Hörensagen. Jetzt standen sie live vor mir auf der Bühne. Und was soll ich sagen, von der ersten Minute an war ich überzeugt. Alleine das Stageacting des Sängers Jesse „KFW” Jones ist unglaublich. Verkleidet mit blutbespritztem Arztkittel, Gorillamaske oder mit dem Megaphon bewaffnet, zeigte er eine unglaubliche Präsenz und ließ es sich nicht nehmen, seine Kickboxkünste in den sekundenlangen Soli-Pausen vorzuführen. Mit schönster Kriegsbemalung positionierte er sich, als gebürtiger Engländer sowieso mit einer gewissen laissez-fair-Haltung ausgestattet, entgegengesetzt zu den Predigten eines Ray Cappo und verzichtete auf ach so tolle Belehrungen über die richtige Lebensweise. Stattdessen sagte er einfach, was er dachte.

Stagediving war außerdem an diesem Abend erlaubt und diese Chance nutzten auch die zahlreich angereisten Besucher. Als Jesse dann auch noch die alte deutsche Thrash-Szene lobte, hatten Yuppicide endgültig mein Herz gewonnen. Kleinigkeiten, wie die Erwähnung der Piratenmetal-Urväter Running wild (die stilistisch ja eher Power Metal sind) seien daher auch verziehen.

Das verleitete mich auch dazu, die Anthology-CD zu erwerben, was ich zwar nicht bereut habe, aber leider ist der Live-Standard auf den Studiostücken leider nicht ganz so druckvoll und dreckig, wie an jenem Abend in der Garage. Trotzdem sei die 2CD jedem ans Herz gelegt, denn sie umfasst alle (!) Stücke, die Yuppicide innerhalb ihrer zehnjährigen Geschichte aufgenommen haben und ist auch für kleines Geld erhältlich (hab jetzt nur den Amazon-Link angegeben, wendet euch aber besser an den Händler eures Vertrauens ;-)). Für ein paar Zugaben kamen sie dann wieder zurück, aber leider auch nur kurz. Dank neuem Schlagzeuger konnten sie nicht mehr Lieder runterrattern.

Link: Yuppicide

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