Donnerstag, 9. Dezember 2010

AC4 und The 's im Kleinen Klub am 21. November 2010


Der Crux bei Bands, mit denen man freundschaftlich verbunden ist, ist ein komplizierter. Einerseits möchte man, dass die Band Erfolg hat und ihren Weg gehen kann, andererseits ist man immer etwas außen vor. Trifft die Band für den Rezipienten unangenehme Entscheidungen, muss man sich damit abfinden und kann nicht, wie bei anderen Bands, ihr einfach den Rücken zudrehen. Gleichzeitig kann man nur wenig Kritik üben und wenn ja, muss sie konstruktiv sein. Welch ein Glück dann, wenn man das Gefühl hat, dass die Band doch alles richtig macht. War ich zunächst ja eher skeptisch, was die Abkehr vom Powerpop vergangener Tage hin zu einem Hardcore-Punk-Sound anging, so muss man sagen, dass die Band heute recht selbstbewusst mit dem neuen Stil umgeht.


The S

An diesem Sonntag lockten The 'S als Support von AC4 doch recht viele Besucher schon früh in den Kleinen Klub. Begünstigt durch die eisige Kälte versammelten sich auch recht viele Leute drinnen, so dass der eigentlichen Livepremiere abseits von JUZ-Konzerten und Geburtstagspartys nichts im Wege stand. Und sie machten ihre Sache gut, aber vor allem laut. Heftigst übersteuerter Sound, der jedoch gut zum verzerrten Gesang passte. Etwaige Spielfehler (nur drei sollens gewesen sein), wurden einfach durch die Lautstärke hinweggeweht. 30 Minuten Zeit hatten die Jungs, reicht also für 18 Lieder etwa, darunter zwei Cover, zum einen Who Do You Love von Bo Diddley und dieses eine Lied von The Sonics, dessen Titel mir gerade entfallen ist. Ansonsten ordentliche Eigenproduktionen wie Meat Cheese Revenge (die Rache des Fleischkäses) und "alle Titel vergessen" (bestimmt was von hier). Auch rein optisch bekam man einiges geboten, so natürlich die Fratzen des endlich mal zuhörenden Keyboarders, der das Posen von der Pike auf gelernt hatte, das Slide-Spiel mit Bierflasche vom Stargitarristen und die Animal-Einlagen vom Schlagzeuger. Leider wieder mal keine Ansagen, dafür gabs aber wirklich 20 Minuten Auffe-Fresse-Hardcore, der die Masse zwar nicht zum Pogen, aber doch zum gutgelaunten Grinsen brachte.

Ac4

AC4 kamen nach kurzer Pause au die Bühne. Konnten die beiden Ex-Refused-Mitstreiter Dennis Lyxzén and David Sandström den Standard halten? Oh ja, sie konnten. AC4 sind das genaue Gegenteil von (International) Noise Conspiracy. Straighter Old-School-Harcore, der alles beinhaltete, was ich am Hardcore der letzten Jahre vermisst habe. Hasserfüllte, gesellschaftskritische Texte gegen den Staat, die Bullen und die Nu-Metal-Schweine, straight und schnell gespielt und eingesungen von einem Vokalisten, für den das Label Hyperaktivität eine Untertreibung ist. Zudem auch noch gut gelaunt und zu selbst- und publikumsironischen Späßen aufgelegt. Leider war auch hier die Spielzeit stark begrenzt, was aber klar ist, wenn man nur eine 20minütige Platte (meine Kaufempfehlung hierzu) und eine 7'' draußen hat. Wahnsinnig geile Show!

Einziger Wehrmutstropfen: Bin von beiden Bands beim Best-T-Shirt-Contest geschlagen worden. Gut, hatte auch nur ein altes Army-Style-Noise Conspiracy-Shirt an, aber trotzdem. Der Gitarrist von The S hatte ein Masters-of-the -Universe-Shirt an und David Sandström ein Wehrmacht-T-Shirt. Schweine!

Links: AC4 - The 's

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