Freitag, 2. April 2010

Reverend Horton Heat am 27. März 2010 - Köln, Essigfabrik

Nach anstrengenden Tagen war es an der Zeit wieder ein Konzert zu besuchen. Dass dies ausgerechnet in Kölle sein musste, war natürlich weniger super. Aber egal, let's go, die Lieben eingepackt, mit Umweg über Koblenz dann ab nach Köln. Und tatsächlich, dank GPS tatsächlich den Laden gefunden, YEAH! Aber, ziemlich wenig los, muss man schon sagen.



Als erstes legten die fantastischen Deadbolt los. Die Band tat alles, um dem wilden Psychobilly-Image gerecht zu werden. Sie beschimpften das Publikum, bespuckten sich selbst und fingen an, sich um Schlagzeug beziehungsweise Bass (zwei!) zu streiten. So das der eine Bassist plötzlich Schlagzeuger wurde und umgekehrt. Hammergeile Show, mehr gesprochen als gesungen, aber mit Hitgarantie: Truck Drivin' SOB! Mit 30 Minuten etwas kurz geraten, aber vor Ort erfuhren wir auch warum: sind noch drei weitere Bands vor seiner Heiligkeit. Na dann...


Die Kamikaze Queens sind ein fünfköpfiger Haufen aus Berlin die laut eigener Aussage Punk Cabaret from Honky Tonk Hell spielen. Ich würde es als langweiligen 1980er Rock mit gelegentlichen Swing-Einflüssen bezeichnen, stehe damit aber völlig alleine. Meine drei Mitreisenden und der Einheimische sind jedenfalls schwerbegeistert und meine Einwände, ob der "scheiß Musik" werden mit einem "da haste wohl nicht richtig hingeguckt" abgetan. Und okay, das stimmt, die beiden Sängerinnen liefern eine erstklassige Show, mit Striptease-Einlage (die punkige), wildem Herumgetanze (beide) und Kontrabaßposieren (die weniger punkige). Also: optischer Augenschmauß der sich IMHO nicht im Hörgenuß widerspiegelt.



Nach einem derart schweißtreibenden Auftritt ist erstmal abwarten angesagt. Nun, dann kam da so eine Band auf die Bühne mit unerträglichem Rock-Country-Geballer. Nix wie raus an die frische Luft. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es sich um die berühmten Waltons handelte. Naja, für lebende Legenden hinterließen sie bei mir jedenfalls keinen bleibenden Eindruck.


Nach einer weiteren Umbaupause kamen dann die Milwaukee Wildmen auf die Bühne. Psycho to the bone... a real pain in the ass! Die mit Abstand schlechteste Band des Abends präsentierte sinnentstellte, langweilige Psychobilly-Coverversionen von den Dead Kennedys (Let's Lynch the Landlord), GG Allin (Scumfuck Tradition) und eine Horde weiterer Bands, bei denen die Akkorde nicht allzu schwer waren. Zum Abschluss gabs dann noch das erbärmlich Pokerface in einer Psychobilly-Version. Super! Da fragt man sich doch, welcher Depp das Line-up organisiert und die Reihenfolge festgelegt hat. Ich meine, das die Waltons weit vorne waren, kann ich bei ihrem Status ja noch verstehen, aber diese Drecksband?


Jedenfalls, die Hoffnung stirbt zuletzt, und obwohl ich schon fast nicht mehr dran glaubte, betrat dann der Hochwürden endlich auf. Und, was soll man sagen? Eine perfekte Show, von vorne bis (fast) ganz hinten. Wundervoller Rockabilly/Psychobilly in Perfektion. Die Meute tanzte und pogte sogar zu Psychobilly Freakout und weiteren Liedern, wenn auch die Dynamik bei seinen langsameren Liedern aus seiner Country-Platte Laughin' & Cryin' With The Reverend Horton Heat etwas rausgenommen wurde. Aber, ehrlich gesagt, fand ich die Songs auch sehr geil. Respekt an Jimbo Wallace, eine Ansagen=spärlich, lächeln=spärlich, Pausen=(fast) keine (nur zum Stimmen mit der Taschenlampe) Musik=gigantisch. Als einziger Wermutstropfen bleibt der Zugabenteil: Ein slow-country-song und ein Drum-Solo sind eben nicht das, was die Meute um diese Uhrzeit braucht.

Dann gings drei Stunden heim. Während der Rest betrunken vor sich hin döste, zappte ich mich durch meine Musiksammlung, so dass nach der NWOBHM PJ Harvey, dann Götz Widmann und zum Abschluss Cockney Rejects folgte. Interessante Mischung. So gingen die drei (dank Sommerzeit irgendwie vier) Stunden auch zu Ende und ich ins Bett.

Links: Essigfabrik - Deadbolt - Kamikaze Queens - Milwaukee Wildmen - Reverend Horton Heat