Mittwoch, 26. Mai 2010

Rock n Roll Weekender in Walldorf, Baden-Württemberg, Tag 2 - 23. Mai 2010

Erstmal in der Sonne brutzeln, hieß dann das Motto des zweiten Tages. Ausgestattet mit Karlsberg Ur-Pils, Frühstücksbroten und herbeigeholtem Coffee2go gestalteten sich dann die ersten 10 Stunden des Tages recht erholsam. Schon nach kurzer Zeit entstand ein heftiger Sonnenbrand, der nun, wo ich diese Zeilen tippe, wieder abgeklungen ist. Zwischendurch machte sich der Kalif auf den Weg, sein Auto zu flicken, doch wie durch Wunderhand lief die Kiste wieder einwandfrei. Vielleicht hatte ja über Nacht einer der zahllosen Tüftler Hand angelegt, man weiß es nicht.

Jedenfalls war nicht viel angesagt, etwas über den Flohmarkt gestrommert, aber nichts wirklich substanzielles gefunden. Dann gings PizzaFlammkuchenEssen in das nahegelegene Session-Café. Mhm, lecker...

Musik war dann endlich auch mal wieder angesagt. Rhythm Train aus der Schweiz waren gerade am Start:



Sehr geiler Auftritt mit authentischen Rockabilly-Hits aus den 1950ern. Ein sehr energiegeladener Auftritt, der sehr viel Spaß machte, auch wenns ab und an etwas schnulzig wurde. Die ewig langen Pausen zwischen den Auftritten waren allerdings ziemlich doof. Eine Stunde Umbau für son bisserl Kram?



Den Auftritt der nächsten Band hätten wir dann fast verpasst, den vor der Halle spielte eine nette, kleine Kapelle unplugged. Schöne Hits wie Ring of Fire gaben die Jungs zum Besten. Das letzte Lied performte Sänger und Gitarrist dann auch stilecht stehend auf Kontrabass. Alles sehr mitgröhltauglich, was wohl auch besser war, den textsicher waren die Jungs kein bisschen. Trotzdem, sehr mutig und hat Spaß gemacht.



Arsen Roulette boten drinnen wieder Rockabilly vom Feinsten. Das schöne Honey Hush von Johnny Burnette hatten sie am Schluss ausgepackt. Meine Freude über den gelungenen Auftritt wurde allerdings getrübt durch zwei Penner im Spießer-Look, die sich wohl hinter mir über mich lustig gemacht haben. Naja, ihre SAP-Manager-Frisuren waren eigentlich nicht dazu geeignet, sich über das Aussehen anderer Leute lustig zu machen. Wenns wenigstens echte Rockabillys gewesen wären... Naja, Mitleid gibts gratis, Neid muss man sich erarbeiten.



Den Abschluss unseres Programmes bot dann die Swing-Band King Pleasure & The Biscuit Boys. Und was für einen. Sänger King Pleasure hat eine Stimme, die wirklich unglaublich ist. Außerdem verfügte er über haargenau die Ausstrahlung, die nötig ist, um solche Musik zu singen. Unglaublich gut! Danach gings in die Heia, schließlich hieß es am nächsten Tag zurückzufahren.

Das gestaltete sich zunächst schwierig. Mit dem Auto an den Camping-Platz zu gelangen, war nicht so einfach, da a) die Security keinen richtigen Plan hatte und mir innerhalb des Gespräches dreimal etwas anderes erzählte, außerdem nicht wusste, wo man das Monopoly-Geld zurückgeben konnte, b) man ständig Leuten, Chevrolets und weiteren Securities ausweichen musste, und c) eine Hausfrau, die wohl zufällig neben dem Campingplatz wohnt, gerade jetzt dringend weg musste. Naja, wird schon genug Kohle bekommen haben, damit ihre Wiese als Zeltplatz genutzt werden durfte. Die Rückfahrt war dann sehr angenehm, auch wenn mein Sonnenbrand dadurch noch etwas schlimmer wurde.

Links: Rhythm Train - Arsen Roulette - King Pleasure & The Biscuit Boys

Dienstag, 25. Mai 2010

Rock n Roll Weekender in Walldorf, Baden-Württemberg, Tag 1 - 22. Mai 2010

Und so begab es sich, dass sich unsere kleine Reisegruppe auf den Weg in die beschauliche SAP-Hauptstadt Walldorf machte. Nach einer etwa zweistündigen Fahrt und einer etwa einstündigen Suche kamen wir dann auch tatsächlich am Session-Kulturzentrum an, wo es erst mal hieß Zeltaufbau. Dies gestaltete sich dann allerdings recht schwierig, da anscheinend niemand von der Security so richtig wusste, bis wohin man fahren durfte. Nach dem Zahlen einer übermäßig hohen Kaution durften wir dann fast bis zum Zeltplatz fahren. Leider erhielt ich sogleich einen Anruf vom Kalifen, dass seine Reisegruppe am anderen Ende von Walldorf eine Autopanne mit Totalausfall hatte. Also die Zelte und alles ausgeladen und dann die Frauen alleine den Zeltaufbau bewerkstelligen lassen. Mit dem Abschleppseil gings dann Richtung Kulturzentrum. Dort hieß es dann umladen und wieder die Kaution hinterlegt. Schwupps, ausgeladen, wieder Parkplatzsuche und schon konnte die Party losgehen. Nach dem ganzen Stress erstmal etwas Gerstensaft. Das gestaltete sich dann etwas länger, so dass wir erst gegen 22 Uhr das Festivalgelände betraten, wo es dann weiteren Gerstensaft gab.



Die kleine Halle war jedenfalls gut gefüllt, als die Smalltown Casanovas die Bühne betraten und ein wunderschönes Rockabilly-Set Feil boten. Neben eigenen Liedern gab es auch Klassiker, wie You Never Can Tell zu hören. Eine recht sympathische Band jedenfalls, die das Publikum zum Tanzen animieren konnte. Danach wars für den Tag leider schon musikalisch Schluss, auf Swing hatten wir keine Lust und so gings mit Trinken, Umschauen und Essen weiter, bis wir recht früh (so 1:00 Uhr) Richtung Zelt gingen. Die Strapazen des Tages waren uns allen jedenfalls noch anzumerken. Positiv anmerken muss ich jedenfalls noch, dass mein eher unkonventionelles Auftreten (Kutte, Johnny-Cash-T-Shirt, lange Haare) in der Horde von Rockabillys nicht auf Ablehnung stieß, sondern sogar teilweise gefeiert wurde. Dass das nicht selbstverständlich war, lest ihr im nächsten Teil des Berichtes, wo Gripweed gegen Sonnenbrand, überforderte Securities und SAP-Mitarbeiter kämpfen muss. Außerdem folgt dann die Auflösung, welches Malheur Storchens Chevy lahm legte.

Link: Festival-Homepage - Smalltown Casanovas

Donnerstag, 20. Mai 2010

NoMeansNo im Kleinen Klub am 18. Mai 2010

Nach einer langen Durststrecke von Konzerten gehts jetzt wieder richtig ab hier!



Den Abend eröffneten die mir unbekannten Invasives. Naja, rein von der Musik her fand ich die Mischung aus Prong/Helmet/Wire(Review, empfand ich nicht so) schon recht ordentlich. Auch schön mal zu hören, wenn der Bass schneller als die Gitarre spielt. Aber der Gesang, nee, nee. Unterhielten dennoch ganz gut.

NoMeansNo kamen mit einem alten TV-Intro (Mithilfe?) betraten NoMeansNo dann die Bühne. Wie sehen Legenden aus? Nun, an diesem Abend wie nette, aber zynische Opas aus. Und vor wie vielen Leuten spielen solche Legenden? Na, vor so vielen, dass das Konzert von der Garage in den Kleinen Klub verlegt wurde. Irgendwie schade, aber nachvollziehbar. So jedenfalls kam gute Stimmung von Anfang an auf, in der Garage hätte man sich wohl ziemlich verloren gefühlt. Naja, NoMeansNo hatten einen Plan, zuerst kam das erste Lied und am Schluss das letzte. Die Mitte war eine Überraschung. Für mich auch, kannte ich doch bisher nur die Jello-Biafra-Platte. Nach den ersten zaghaften Mitwipp-Reaktionen des Publikums, stellte sich dann tatsächlich noch etwas Pogo ein. Insgesamt wurde die Gruppe (zu recht) ziemlich gut abgefeiert. NoMeansNo spielten tatsächlich fast zwei Stunden inklusive zwei Zugabesets. Geiles Konzert!

Links: NoMeansNo - Invasives

Donnerstag, 13. Mai 2010

Turbostaat am 12. Mai 2010 / Saarbrücken, Kleiner Klub

Mit dem Phantom, seiner Tochter und seinem Bruder begab ich mich auf den Weg nach SB-City, um eine jener Punkrockbands zu begutachten, die ganz eindeutig von meinen absoluten deutschsprachigen Lieblingsbands Dackelblut, Blumen am Arsch der Hölle und Angeschissen beeinflusst sind. Pünktlich angekommen war gerade Findus am Start. Muss leider sagen, dass ich sie ziemlich langweilig fand, sowohl musikalisch als auch textlich. Machten ihre Sache aber doch ganz gut, zumindest so auftrittstechnisch. So mit Springen und Tanzeinlagen. Naja, Schwamm drüber.

Turbostaat waren dann der absolute Hammer und kriegten mich tatsächlich direkt vor die Bühne. Jetzt, einen Tag später, tut mir noch alles weh, obwohl ich höchstens 10-15 Minuten im "Pit" war. Muss ja sagen, dass ich eigentlich nur wenig von ihnen kannte, so dass ich doch überrascht war, wie nah die Gruppe an Dackelblut et al. rankommt. Auch von den Texten her, die ähnlich hintergründig und doch direkt bei einem ankommen. Die Band präsentierte Altes und Neues von den bisher vier erhältlichen Alben. Am Besten fand ich Harm Rochel, das auch dem mitgereisten Phantom wohl aus der Seele sprach. Dessen Bericht gibts übrigens hier zu lesen.

Nach einer Stunde endete ein vom Publikum frenetisch abgefeiertes Pflichtprogramm, doch die Gruppe kam mit zwei Zugabenteilen zurück und gab so dem verschwitzten Publikum endgültig den Rest. Eine Klimaanlage wäre echt mal was tolles für den Kleinen Klub. Ach ja, ausverkauft wars auch. Am 4. Juni gibts übrigens an gleicher Stelle den echten Jens Rachut mit Kommando Sonne-nmilch.

Links: Turbostaat

Samstag, 8. Mai 2010

Hexentanz Festival 2. Mai 2010 / Bostalsee

Eine Warnung an all jene, die diese Musik gut finden mögen. Der nun folgende Beitrag wird einige Hetz- und Schmähschriften enthalten, die durchaus die Gefühle zartbesaiteter Gothic-Wannabes verletzen könnten.

So, als erstes aber die Frage, ob der Veranstalter aus den Fehlern vom letzten Mal und den Malen davor gelernt hat. Diese Frage kann man mit einem konsequenten "Jein" beantworten. Immer noch waren Schlangen sowohl vor dem Mittelaltermarkt (der von Jahr zu Jahr kleiner wird) und dem Bühnengelände. Leibesvisitationen im Stile einer Drogenkommission blieben dieses Jahr wenigstens aus. Ein dicker Minuspunkt ist der Preis des Ein-Tages-Ticket, unterscheidet er sich doch genau um den Faktor 10, also 10€, was ein echter Witz und ein Schlag ins Gesicht von jedem ist, der berufs- oder interessenbedingt nur einen Tag kommen kann. Der nächste Schlag ins Gesicht ist das wirklich dämliche Bon-System, ohne dass man nicht an die überlebenswichtigen Getränke kommen kann. Ein 6€-Bon reichte nicht einmal für zwei Bier, dank des ausgeklügelten Pfandsystems. Insgesamt war mal wieder einiges überteuert. Dafür scheint das Zelten und Campieren jetzt wesentlich besser zu klappen, was und jedoch nicht zu Gute kam.


Dank eines weiteren ausgeklügelten Systems, nämlich des Umleitungssystems von St. Wendel, die just an diesem Tag ihren City-Marathon oderwasdasauchimmerwar machten) kamen wir dann statt ein doch zwei Bands zu spät, was meine Begleiterin mehr ärgerte als mich ;-) Jedenfalls sahen wir dann nach kurzem Anstehen und Ärgern über den Festivalpreis und dann etwas längerem Anstehen, als erste Band die Neue-Deutsche-Proll-Band Megaherz. Super Texte, die Jungs, muss man sagen, sind bestimmt einmal zu oft vom Wickeltisch gefallen. Du bist ein Miststück - ein Stück Mist. Bei soviel geballter Dummheit wars auch gut, dass der Regen just in diesem Moment einsetzte und man sich so an den Bierständen zusammen fand. Irgendwann hörte es dann auch wieder auf zu regnen, aber selbst das kaputte Mikrofon des Sängers hielt die Band nicht davon ab, weiterzumachen. Also erstmal den Rest des Geländes inspiziert.



Pünktlich zu End of Green wieder am Start, die mir doch erstaunlich gut gefielen. Wird wohl die Trauerum den King of Pop gewesen sein. Netter tralala-Gothic-Metal mit leichten Alternative-Rock-Anleihen. Konnte man aushalten.



Diary of Dreams hatten den regen auf ihrer Seite, so dass wir den Auftritt fast verpassten. Gefälliger Synth-Pop ohne echte Höhepunkte. Am Ende kam es noch zu einer kuriosen Szene, als zwei Bandmitglieder noch da standen und den Bassisten riefen, der jedoch aus unerklärlichen Gründen nicht mehr auftauchte. Dann ging plötzlich die Pausenmusik an, Fans und Band protestierten. Anscheinend zeitliche Abstimmungsprobleme, die Gruppe durfte dann aber doch nochmal auf die Bühne.



Letzte Instanz gaben sich dann redlich Mühe, das Publikum zu animieren. Klappte auch ganz gut, aber mit der Musik bin ich einfach durch...



Nach etwas längerer Umbaupause und Feuershow fing der Unheilig-Gig dann in Form eines Miniclips an. Diese kurzen Videosequenzen zogen sich dann auch durch das gesamte Set der Band. Der Skinhead mit den weißen Augen geht dabei mit einem geheimnisvollen Koffer durchs Land. Unterbrochen werden diese Videosequenzen mit dem üblichen Schlager-Tralala, das auf dem neuen Album noch schnulziger daherkommt, und NDH-Stücken, die Laut.de auch schon als "totale textliche und stimmliche Lindemannisierung" umschrieb. Naja, genug gehetzt: Großartig dagegen war die Show, die dank des Charterfolgs natürlich entsprechend großzügig umgesetzt wurde: mit Videoleinwand, Schiff und Kerzen. Den Status, den Unheilig mittlerweile haben konnte man auch gut an der Zuschauermenge sehen. War es mir bei allen Bands davor ein leichtes ein günstigen Platz zum Bildermachen zu ergattern, war es hier unmöglich. Himmel und Menschen...

Link: Festival-Homepage