Mittwoch, 18. Mai 2011

Kassierer am 29. April 2011 (Garage Saarbrücken)

Upfluss

Upfluss aus Neunkirchen hatten die unangenehme Aufgabe den Abend zu eröffnen. Bei dieser Hauptband kann man natürlich nur verlieren, aber die Band gab sich die allerbeste Mühe wirklich grandios zu verlieren. Das lag vor allem an zwei Dingen: daran, dass a) die goldenen Jahre des Stumpfpunks endgültig vorbei sind , und b) an ihrem charmanten Umgang mit dem Publikum. Fangen wir mit Beweisstück a) an. Auf ihrer MySpace-Seite gibt die Band an, dass fortzuführen "was Schleimkeim angefangen" habe. Gut, nur ist Schleim-keim leider eine DDR-Punkband, deren harter, unverfälschter Punkstil unter ganz besonderen Bedingungen entstanden ist. Einer Band anno 2011 dagegen sollte man schon unterstellen, dass sie ihre Instrumente zumindest rudimentär beherrschen. Dazu kommt der Gesang einer Frontfrau, der beim besten Willen nur als nervig beschrieben werden kann. Das konnten die Ätztussis dann doch besser (und vor allem früher). Dass alles geht ja noch, wenn man Beweisstück b) außer Acht lassen würde. Nun sollte man als dilettantische Band wenigstens noch wissen, vor wem man auftritt und welches Publikum man damit anspricht. Dass Die mächtigen Kassierer nicht gerade bekannt sind, für ihre sensiblen Texte, sollte jedem klar sein. Und das so ein paar "Ausziehen, Ausziehen"-Rufe dann nun mal, wie soll ich sagen, vorprogrammiert sind, kann man sich eigentlich denken. Dann sollte man als Band aber auch damit umgehen können, also entweder dem ganzen nachkommen (also, wenn man keine Würde mehr hat oder so drauf ist) oder das ganze gepflegt ignorieren. Man sollte auf keinen Fall 1. mit dem Abbruch drohen (was wohl für alle Beteiligten besser gewesen wäre), 2. eine basisdemokratische Abstimmung inszenieren, 3. als Frau theatralisch von Mann zu Mann rennen oder 4. dazu übergehen, weiterzuspielen. Wenn dann noch der Schlagzeuger nach einem debilen Schlagzeugsolo seine Stöcke wutentbrannt ins Publikum pfeffert, hat man den gleichen Effekt, als wäre man den Wünschen des Publikums nachgekommen: sein letztes bisschen Würde starb mit dieser Aktion. Naja, viel Spaß dann bei weiteren Auftritten mit Eisenpimmel, und Rockbitch.

Kassierer2

Dass die "Ausziehen"-Rufe nicht sexistisch waren, weiß man spätestens nach dem Intro von Die Kassierer. Jedenfalls hat der Politiker und Satiriker Wolfgang Wendland kein Problem mit der Bitte des Publikums, wenn auch zuerst die Hose anbleibt. Gut gelaunt steigt die Band mit ihren beiden größten Hits Besoffen sein und Sex mit dem Sozialarbeiter in den Gig ein. Nun, das Niveau war bei den meisten Anwesenden sowieso schon an der Promillegrenze angekommen. Nun könnte man denken: Als halbwegs intelligenter und dazu noch nüchterner Mensch sollte man sich den Gefahren eines Kassierer-Gigs nicht aussetzen. Weit gefehlt, auch nüchtern kann man auf solchen Konzerten sehr viel Spaß haben. Dazu gehören natürlich auch die Texte der Band, denen ein gewisser Unterhaltungswert nicht abzusprechen ist. Zudem hat man auch die Möglichkeit, etwas für die Selbstreinigung zu tun, wenn man ein antisexistisches Mantra mit anstimmt (danach folgte Mach die Titten frei, ich will wichsen). Ganz großes Kino. Es folgten weitere Hits wie Ich töte meinen Nachbarn und verprügel seine Leiche, RosenBlumenkohl am Pillemann und natürlich Mein Glied ist zu groß, bei dem sich Wölfi endlich nackt machte. Angedeutete Arschfick-Einlagen gab es auch noch. Dazu kamen Wölfis Ansagen, bedenklich nur, dass er einige Texte ablesen musste. Naja, das Alter... Nach der Stinkmösenpolka war dann leider nach knapp 70 Minuten Schluss. Dennoch ein schöner Abend. Viele Grüße noch, an das "sehr intelligente" Mädel, dass ich später heim gefahren habe. Der Kater müsste ja jetzt langsam rum sein...

Kassierer nackt

Links: Upfluss - Die Kassierer

Kommentare:

Dunkelbunt hat gesagt…

:D schön geschrieben...wünschte, ich wär dabei gewesen. die "frauen-power-band" hätte ich doch gerne miterlebt...neben den kassieren natürlich ;)

Sängerkrieg auf Wartburg hat gesagt…

Haben Dich wikipedia-interne Konflikte verwirrt, oder wächst jetzt am Pillemann wirklich Rosen- statt Blumenkohl? Fun-Punk ist bekanntlich nicht meine Baustelle, aber das kenne ich trotzdem.

Gripweed hat gesagt…

@sängerkrieg: Hehe, das war wohl wirklich eine Freudsche Fehlleistung...