Sonntag, 8. Mai 2011

Seila Chiara, Nonrem & Die Nerven im JUZ Neunkirchen am 19. April 2011

Das erste Mal ins frisch umgezogene Jugendzentrum und das nur durch Zufall. Normalerweise lese ich das Käseblättchen namens Saarbrücker Zeitung nicht, aber aus irgendeinem Grund blätterte ich doch den Lokalteil durch. Von irgendwelchen Hardrock-Bands war da zu lesen, was mich irgendwie abschreckte. Auf YouTube habe ich dann offensichtlich auch die falschen Videos angeklickt, denn was ich da hörte war grauselig. Nach einem harten Tag dachte ich dann irgendwie dennoch "Scheiß drauf" und marschierte frohen Mutes in das wunderhübsche neue Jugendzentrum, das nicht einmal (wie das alte) nach Pisse roch. Stattdessen erwartete mich eine große Außenanlage mit Bierbänken und zwei geräumige Etagen.

Die Nerven

Auf Grund des unerwarteten und späten Entschlusses kam ich gerade noch rechtzeitig zu Die Nerven, einer saarländischen Lokalband, die mir bisher unbekannt waren. Aber ich muss schon sagen, ihr sogenannter Postrock war echt hörenswert. Erinnerte mich ein bisschen an späte Black Flag bzw. frühe Rollins Band. Staccato-Noise-Attacken, wie im Artikel der SZ (ja, im Saarland heißt das nicht Süddeutsche Zeitung) suchte ich aber vergebens. Schade, dass die meisten Leute keine Ahnung von Noise haben. Anschauungsmaterial gibts hier.

Nonrem

Nonrem aus Japan waren mit ihrem Screamo-Kram dann überhaupt nicht mein Fall, machten ihre Sache aber ganz gut. Irgendwie schade, den weiten Weg aus Japan hierher gemacht, das eigene Land stürzt ins Chaos und hier finden sich gerade mal 50 Hanseln ein. Naja, in Mainz sollen es ein paar weniger gewesen sein. Musik, die mir nicht gefällt, ruft nach Stärkung und im Juz wurde ich tatsächlich fündig. Leckere Veggie-Burger, liebevoll zubereitet und serviert. Tolle Idee...

Seila Chiara

Nun, Seila Chiara aus Frankreich wollte ich mir dann nur noch zum Teil geben. Doch bereits das erste Lied überzeugte: Tempowechesel, vertrackte Rhythmen und wechselhafter Gesang. Eine Musik an der Grenze zwischen Emo-Screamo-Hardcore-Punk ohne in die Klischees einer der drei Musikrichtungen zu verfallen. Eher knüpfte man an die experimentellen Passagen des Krautrock an. Wirklich sehr seltsame Musik, die von drei (ja, das können nicht nur Iron Maiden) Gitarristen, Bass, Schlagzeug und versiertem Sänger ins Publikum geschmettert wurde. Teils sehr lange, abwechslungsreiche Songs, die ins Ziel trafen. Leider war auch hier das alte JUZ-Problem, die frühen Letzter-Bus-Rufe ein kleiner Publikumskiller, was den sympathischen Jungs aus Lyon jedoch nichts ausmachte und so wurde nach einer guten Stunde noch eine Zugabe gespielt.

Was bleibt, ist die Einsicht, wieder mehr Underground-Konzerte zu besuchen und auch unbekannten Bands eine Chance auf mein Gehör zu geben. Außerdem die Hoffnung, dass sich das neue JUZ in Neunkirchen eine zeitlang hält.

Links: Die Nerven - Nonrem - Seila Chiara - Tokyo Jupiter Records

1 Kommentar:

Gripweed hat gesagt…

Danke an Seila Chiara fürs weiterverbreiten.

http://www.seilachiara.com/read.php?read_press=15