Sonntag, 13. November 2011

Saar Rock History Volume 1 & 2 - Review



Als alter Musikenthusiast bin ich bei solchen Veröffentlichungen, und dann noch vom Stadtverband, ja etwas skeptisch. Ist das eine Werbemaßnahme für den Stadtverband, eine Selbstbeweihräucherung für die paar Promis, die wir im Saarland haben, oder tatsächlich der Versuch die gesamte Rock-Szene des Saarlands darzustellen. Nun, nix von allen dreien, wie wir später sehen werden. In erster Linie wird tatsächlich versuchteine möglichst umfassende Geschichte der saarländischen Populärmusik abzuliefern. Dabei wird sowohl Wert auf den Underground, als auch auf bekannte oder mitunter auch schon nicht mehr bekannte Bands gelegt. Zunächst: Verantwortlich das Projekt sind in erster Linie Roland Helm und Norbert Küntzer, beide selbst Musiker und in der saarländischen Szene aktiv.

Das mit knapp 40 Euro etwas teuere Buch umfasst fast 500 Seiten. Enthalten ist die komplette, längst vergriffene Volume 1 (ca. 139 Seiten). Es beinhaltet nicht nur um die Darstellung eizelner Bands, sondern auch Hintergrundgeschichten, Anekdoten, Erlebnisberichte und Interviews aus rund 60 Jahren Rock- und Popgeschichte. Natürlich beinhaltet das Buch auch die üblichen Verdächtigen wie Frank Farian, Blackeyed Blonde oder Patricia Kaas. Aber das stört auch nicht, wenn daneben eine Zeitreise durch die saarländischen Jugendzentren der 1980er Jahre mit Konzertaufnahmen aus dem altehrwüdigen AJZ Homburg und der Toten Hose in Rohrbach  geliefert und dem JUZ Försterstraße gar ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Tatsächlich ist es schwierig aus den wirklich interessanten Themen einzelne herauszugreifen, aber ich möchte ich an dieser Stelle dennoch ein paar meiner Favoriten (nach den genannten) kurz vorstellen:

Aus dem ersten Teil ist sicherlich der Bericht aus der Heavy-Metal-Szene in Neunkirchen (Saar) am interessantesten. on den angesprochenen Bands kannte ich gerade mal Lancelot, die in den USA ihr Glück versuchten. Die Geschichte von lancelot wird dann auch in Volume 2 fortgesetzt. Auch das Kapitel "No Future" über die saarländische Punkszene zeigte mir, dass auch vor meiner Zeit eine lebendige Szene im Saarland war, deren Exponate vermutlich in den Händen einzelner Sammler liegen und die nie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. Allerdings fand ich den ersten Teil dann doch weniger attraktiv, als den vollgepackten zweiten. Sehr gut der Artikel über das Devil's Place, die Hip-Hop-Geschichte des Saarlandes (inkl. Nyze, aber leider ohne Die Coole Gang und DCVDNS) und die geschichte von Hermann Ze German. Auf etwas mehr als 50 Seiten werden auch aktuelle und vergangene Bands im Kurzporträt vorgestellt. Eine interessante Fundgrube durch alle Musikstile.Insgesamt werden in einem Glossar dann auch noch 1421 Bands vorgestellt, wo man sich doch fragt, wie da bitte die Auswahl bzw. die Recherche war, wenn Spielbann, Dethroned und sogar die Krawallbrüder fehlen, dafür aber Old Pagan erwähnt werden. Ich vermute auch bei letzteren wurde nur aus Versehen diese Split unterschlagen.

Naja, komplett wäre auch sehr schwer gewesen. So liefert das Buch einen vielschichtigen und sehr interessanten Einblick in die saarländische Musikgeschichte. Kompetent zusammen getragen und unterhaltsam erzählt. Ein großes Lob an die Macher!

Links: Offizielle Website

1 Kommentar:

Sängerkrieg auf Wartburg hat gesagt…

Bei Old Pagan und der Split-MC mit Endlösung bin ich mir nicht sicher, ob Du die Unterschlagung im Zusammenhang mit dem Namen der Band Endlösung oder ihren Inhalten meinst. Bei Old Pagan spielt jedenfalls ein Nordafrikaner, und Endlösung kenne ich nur namentlich und weiß nicht, was ich von einer Band halten soll, die über Kackwurst und Bier singt und sowohl Napalm Death als auch Absurd covert.