Dienstag, 13. Dezember 2011

Leningrad Cowboys in der Garage: Der Sprit ist noch da...

Oh mein Gott, der Gripweed legt sich jetzt mit den Multis an. Ich habe den Fehler gemacht und den Saarbrücker-Zeitungs-Artikel kurz vorm Verfassen des Artikels gelesen. Nun ja... Was soll man sagen? Ich bin jedenfalls nicht ganz der Meinung des oder der kfb. Aber der Reihe nach...

Leningrad Cowboys SB 2

Auch in meinem Bekanntenkreis erinnerten sich nicht mehr viele an die Leningrad Cowboys, von daher ist wohl mal wieder eine Geschichtsstunde angebracht. 1989, als Finnland noch kein Exportland zahlloser zahnloser Trendbands, die sich oft genug Metal schimpfen, aber eigentlich Humppa spielen, war, gründete sich mit Beherit eine perfekte Black-Metal-Band. Mist, das war falsch. Also nochmal: Zu dieser Zeit drehte der Kultregisseur Aki Kaurismäki (keine Angst, die heißen dort alle so) den Film Leningrad Cowboys Go America und erfand damit die Band Leningrad Cowboys. Eine dreizehnköpfige Band, die Rock'n'Roll-Klischees und Klischees über Finnland/Russland miteinander verband und so eine irrwitzige Komödie hervorbrachte, die rasch zum Kultfilm aufstieg. 1994 erfuhr der Film mit Die Leningrad Cowboys treffen Moses eine Fortsetzung. Doch Kaurismäki wurde die Geister, die er rief nicht mehr los. Das Monster entwickelte ein Eigenleben, in Form eines dreizehnköpfigen Ensembles, die plötzlich real Musik machten und durch die Welt tingelten. Markenzeichen sind extreme Tollen und absonderlich lange Schuhe, ein mit russischem Akzent gesprochenes Englisch und eine Latte von Coverversionen, die die Band zum Besten gibt. 2011 erschien das Album Buena Vodka Social Club und die Band ging erneut auf Tour. Dabei machte sie auch Station in Saarbrücken, in der Garage nämlich. Dort fanden sich dann kfb und Gripweed auch ein. Der/die eine ein/e Provinzjournalist/in, der andere einer der bekanntesten Blogger Deutschlands Mit zwei unterschiedlichen Auftraggebern. Der eine schreibt für die beste saarländische Publikation, der oder die eine für die Saarbrücker Zeitung. Ist ja gut, ich lasse ab jetzt die Kalauer. Meinungen sind eben wie Arschlöcher. Jeder hat eins. Meine Meinung ist eben eine andere, wie sie in der SZ steht. Jedenfalls bekam ich genau das, wofür ich bezahlt habe:
Leningrad Cowboys Elvis 2

Haufenweise Klischees und alte Kammellen. Fing schon an mit Back in the USSR und ging weiter mit Fight for Your Right (for Party) und dann Enter Sandman und das waren die ersten drei Lieder. Danach gings munter weiter über alle möglichen Lieder, Fremd- und Eigenkompositionen aus über 50 Jahren Rockmusik. Darunter Perlen wie Ring of Fire oder gewagte Cover wie Offsprings Pretty Fly (for a White Guy). Und Tume Uusitalo durfte sich gleich zweimal verkleiden, als Elvis und als Krabbe. Warum? Keine Ahnung, war mir auch egal. "Ihrem Auftritt fehlte es an Ideen und Esprit. Diese Show mag vor Jahren ein großer Spaß gewesen sein. Heutzutage hat das den Charakter eines Kalauers." Zitiert aus der Saarbrücker Zeitung. Kann man so sehen. Was verkannt wird: Die Leute, die in die Garage kamen, wusste was sie erwartet. Natürlich ist das nicht zeitgemäß. Ich finde, dass soll es auch nicht sein. Vielmehr geht es um die Idee, die dahintersteht. Ich wollte all die Klischees und die Sinnlosigkeit der Kaurismäki-Vorlage. Innovationen habe ich keine erwartet.

Leningrad Cowboys Pink Crab

Sicher, mich hat auch das Schlagzeugsolo gestört. Das Krabbenkostüm fand ich auch nicht besonders witzig. Und als Zugabe Born to be Wild und Those Were the Days? Kann man sich auch sparen. Dennoch: ich will von Metallica auch kein Album mit Lou Reed zusammen und wenn Slayer kommen, sollen sie gefälligst auch nur Reign in Blood spielen und dann wieder abzischen. Und genau das habe ich bekommen: schräge Frisuren, dümmliche Kalauer und einen dicken Elvis. Nicht mehr, aber auch verdammichnochmal nicht weniger. Und jetzt gucke ich mir erstmal den zweiten Teil an. Den kenne ich nämlich noch gar nicht.

Links: Leningrad Cowboys

Kommentare:

Dunkelbunt hat gesagt…

mal wieder fabelhaft geschrieben! und das krabbenkostüm hat was :)

marc hat gesagt…

du hast total recht! es ist einfach einen geile showband, eine kapelle der besonderen art! und das ist auch gut so! ich wollte auch nur spaß, hab dann auch genau das bekommen. grüsse aus linz, österreich! hier hatten sie letztes wochenende den letzten auftritt dieser tour. und ich hatte dann noch das glück den momentanen frontman hinter der bühne zu treffen und mit ihm ein dosenbier zu trinken.

marc