Mittwoch, 28. Dezember 2011

Morbid Angel am 18. Dezember 2011 - Garage Saarbrücken

Wie mans macht, man machts falsch. Kam ich beim letzten Megapackage eine halbe Stunde zu spät, hatte ich schon eine Band verpasst. Hier kam ich pünktlich und konnte noch gut eine Dreiviertelstunde warten. Allzuviel war nicht los, was sich leider den Abend über auch nicht änderte, obwohl viele erst zu späterer Stunde anreisten. Nicht ganz so wenig wie bei Sodom zu Anfang des Jahres, aber auch nicht wirklich voll. Schade, aber das passt leider zur stagnierenden Old-School-Death-Metal-Szene.
Nervecell live in SB 

Nervecell aus Dubai jedenfalls gibt es seit 2000 und bisher ging die Band dann doch an mir vorbei. Gut, Dubai ist jetzt auf der Metal-Landkarte auch nicht so der Fixpunkt. Laut Metal-archives gibts/gabs in den Vereinigten Arabischen Emiraten 19 Bands. Umso schöner, dass es eine nach Saarbrücken geschafft hat. Nervecell überzeugten mich dann auch mit ihrem hübschen Brutal Death Metal, laut BWikipedia und Reviews mit dezenten arabischen Einflüssen. Müssen sehr dezent gewesen sein, habe nämlich keine vernommen. Hauptaugenmerk des mit 30 Minuten recht kurz angelegten Gigs waren Stücke des aktuellen Albums Psychogenocide, dass ich hiermit auch jedem ans Herz legen möchte. Übrigens inklusive einem Featuring (wie nennt man das im Nicht-Hip-Hop?) von Karl Sanders. es gab aber auch ein-zwei neue Lieder zu hören. Wenn ich recht verstanden habe war der Titel des einen The Holy Bible und hörte sich recht nett an. Das Publikum war aber offensichtlich noch nicht ganz wach, gebangt wurde äußerst dezent. Auch beim Bolt-Thrower-Cover Where Next To Conquer nicht.

Benighted Saarbrücken02

Benighted aus Frankreich traten dann an, um ihren teil zur Tour beizutragen. Ich muss allerdings sagen, ich weiß nicht, ob ich sie gut fand. Immerhin konnte ich sie ja nicht sehen. Nein, ernsthaft, wer immer auf die Idee gekommen ist, zu brutalem Deathgrind würden Stroboskopteffekte gut passen, der sollte mir besser nicht unter die Augen treten. Ich konnte jedenfalls nichts sehen, ohne befürchten zu müssen, mit Zuckungen auf dem Boden zu liegen. Ist ja schon nervig, wenn das einmal an einem Abend passiert, aber mir schien es so, als wäre das den ganzen Gig lang so. Also gings zunächst in den Vorraum und dann auf eine Sitzgelegenheit ohne Sicht auf die Bühne. Ich bin ja eigentlich erklärter Grindcore-Freund, aber mit so Deathgrind-Kram kann ich nicht viel anfangen. Man kann aber sagen, dass die Jungs bemüht waren und auch das Publikum ganz gut abging. Not my cup of tea, wie wir Saarländer sagen.

Necrophobic Saarbrücken 2011

Necrophobic live zu sehen, war dann schon sowas, wie ein kleiner Traum. Die Schweden an der Grenze zwischen Death und Black-Metal zählen doch schon lange zu meinen Favoriten. Naja, zumindest das Album The Nocturnal Silence (ist jetzt auch schon wieder ein paar Jährchen her). Naja, und als ich sie damals vor gut 15 Jahren gehört habe, naja, da schienen sie wie eine der bösesten Bands des Planeten zu sein. Dieser Eindruck ist heute natürlich nicht mehr ganz so. Insbesondere dann, wenn Sänger Tobias Sidegård in so einem dubiosen Gothic-Röckchen auftritt und schon zu Beginn des Intros guckt, als könnte er die Welt vernichten. "Och, guck mal, wie niedlich" werden wohl ein paar mehr gedacht haben. Das Outfit von Basser Alex Friberg fand ich dagegen super.


Schön Old School sozusagen.Gut gefallen haben sie mir sowieso vor allem, wenns ein bisschen thrashiger wurde, also vor allem bei den alten Songs. Musikalisch topfit jedenfalls. Leider sind meine Aufzeichnungen etwas mangelhaft, daher weiß ich nur noch das sie wohl Sacrificial Rites gespielt haben, ihren größten Hit Revelation 666 der Crew gewidmet haben und bei ebenjenem Song Sidegård eine Necrophobic-Flagge mit Pentagram und allem drum und dran herumschwenkte. Aja, genau, musste alles auch sehr schnell gehen, weil die Bands alle schnell zum Flieger mussten. Deshalb gabs ab 22 Uhr nur noch Merch der Hauptband zu erstehen. Dennoch hatten Necrophobic schon ne gute Spielzeit.

Morbid Angel Saarbrücken 2011

Tja, und dann begannen auch schon diemorbiden Engel. Zur Pausenmusik gabs irgendwas seltsames, das neue Moribid-Angel-Album soll auch eher durchwachsen sein... Sollte der Gig jetzt wider Erwarten Scheiße werden? Nein, die Setlist war mit Sicherheit die beste seit Jahren. Nennt einen Morbid-Angel-Klassiker, den sie an dem Abend nicht gespielt haben... Ich glaube, ihr werdet keinen finden. Mit Immortal Rites gings los. Es folgten Fallen from Grace, Rapture, Day of Suffering, Blasphemy of the Holy Gods... Ich glaube aus der Tucker-Phase gabs Bil Ur-Sag und vom neuen Album gerade einmal zwei Lieder (Nevermore und Existo Vulgoré). Nicht schlecht, Herr Specht. Der arme Tucker ist zwar mittlerweile bei Nader Sadek unter, aber etwas mehr Aufmerksamkeit hätte der gute Mann verdient. Auch nicht bei den Engeln spielte Pete Sandoval, der sich einer Rückenoperation unterziehen musste und durch Tim Yeung (Divine Heresy) ersetzt wurde. T-Shirts zollten dem Ausnahmedrummer Tribut, der seit seiner OP nicht mehr spielen darf. David Vincent war an dem Abend super drauf und packte ein altes Lied nach dem anderen aus. Mit Angel of Disease der leider nicht von Trey gesungen wurde (den man unter seinen Haaren den ganzen Gig nicht erkennen konnte), gab auch mein Lieblingslied zu hören. Mit dem Oberknaller God of Emptiness und World of Shit (The Promised Land) war dann Schluss. Für die beiden Zugaben Sworn to the Black und Chapel of Ghouls kam die Band dann noch ein letztes Mal zurück und beendeten nach 90 Minuten eine absolute Hammershow!

Links: Nervecell - Benighted - Necrophobic - Morbid Angel

Kommentare:

Dunkelbunt hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Dunkelbunt hat gesagt…

Fantastisch! Morbid Angel live is schon n Brett. Ich hab sie mit Marduk (gähn) und Kataklysm in Stuttgart gesehen. BÄM!
Schön geschrieben, wie immer!
Nervecell werde ich mir dann jetzt mal zu Gemüte führen.:)