Sonntag, 4. Dezember 2011

Thrashfest Classics - 30. November 2011 Garage Saarbrücken

Ohne Zweifel, dass Thrashfest Classics ist eine wunderbare Idee. Fünf Bands, die zur absoluten Speerspitze des Thrash Metals, der Königsdisziplin des Metals, zählen, treten an, um Stücke ihrer Klassikeralben zu performen und ignorieren den oft halbgaren neuen Output. Eine gute Idee, wenn das Ganze natürlich an der Bürokratie scheitert. Denn als ich um kurz vor 18 Uhr die Garage betrete, sind Mortal Sin aus Australien bereits fertig. Unglaublich! Wer hat denn bitte wochentags um diese Zeit die Möglichkeit ein Konzert zu besuchen? Ich jedenfalls nicht. Was für eine verdammte Frechheit. Wem kann man da den schwarzen Peter zu schieben? Der Garage? Nein, die sind an die Anwohner gebunden. Dem Veranstalter? Nein, der ist an die Garage gebunden. Dem Tourveranstalter? Der ist an seine Verträge gebunden. Also, am Schluss Niemandem. Scheiße. Jedenfalls hätte es für mich Lieder vom gigantischen Mayhemic Destruction-Album und dem Nachfolger Face of Despair gegeben. Ersteres ist jüngst in einer Neuauflage mit dem aktuellen Album neu aufgelegt worden. Kauftipp!!!


Statt Mortal Sin erwartete mich also Heathen. Wer die Jungs kennt, weiß was einen erwartet. Nämlich abartig genialen technischen Bay-Area-Thrash der Spitzenklasse. Beschränkt wurde die Setlist auf Victims of Deception und das Debütalbum Breaking the Silence, also zwei der besten Alben aller Zeiten. Schade, dass das Publikum noch nicht so in Freudenstimmung war und bis auf Sänger David White auch noch nicht so viel Power von der Band rüberschwappte. Ist aber klar, Lee Altus musste ja später mit Exodus nochmal ran. Als letzten Song gabs Death by Hanging, danach wurde das Publikum in die Arme von


Schmier von Destruction entlassen. Als Drei-Mann-Band angetreten, war es doch nur Schmier, der die Show alleine schmiss. Das Publikum war nun auch etwas erwacht und es gab sogar kurz sowas, wie ein Pit. Trotzdem waren lediglich die ersten drei reihen gefüllt und dann war da eine klaffende Lücke. Das Publikum feierte die Lieder von Sentence of Death und Infernal Overkill. Sehr unsouverän jedoch als Schmier Wünsche einforderte und die ersten beiden reihen unisono Devil's Soldier forderten, das jedoch nichht erfüllt werden konnte, weil sies nicht geprobt hatten. Jetzt mal ernsthaft: insgesamt 13 Songs waren zum Lernen. Hallo? Stattdessen gabs dann The Ritual. Hätte er mal besser seine Klappe gehalten von wegen Publikumswünsche. Aber es wurde noch seltsamer: letztes Lied war Curse of the Gods, aber das stand doch gar nicht zur Disposition? Ich meine auf der Thrashfest-Seite stehen doch die Alben und Eternal Devastation war nicht dabei. Aber egal, ein Hammer-Auftritt wars auf jeden Fall.


Nachdem der erste Headliner vorbei war, betraten Sepultura die Bühne. Ich war schon etwas gespannt, wie sich der "Neue" da so macht, habe ich Seppltura doch seit der Roots Chaos A.D. geflissentlich ignoriert. Naja, zum Glück gabs durch die Selbstbeschränkung auf ebenjenes Album, Arise und Beneath the Remains nicht zum hundertfünfzigsten Mal in diesem Jahr Roots Bloody Roots zu hören. Denn manche Songs reifen nicht wie guter Wein, sondern werden irgendwann direkt zu Essig. Ja, blablabla, und wie wars jetzt, lieber Gripweed? Gut wars, lieber Leser. Derrick Green, mittlerweile ein Jahr länger als Max Cavalera in der Band, aber für alle Anwesenden immer noch der Jungspund, performte ausschließlich Lieder, an deren Entstehung er nicht beteiligt war. Und zwar so gut, dass man den Max gar nicht vermisst hatte. Ein absoluter Hammerauftritt, den ich nicht so schnell vergessen werde. Alle Klassiker, von Mass Hypnosis über Dead Embryonic Cells nach Territory, alles dabei. Nur das unsagbar langweilige We Who Are not as Others hätte man sich sparen können. Gut, irgendwann muss man ja auch aufs Klo gehen. Natürlich, bei drei Hammeralben und einer Spielzeit von etwas knapp über einer Stunde vermisst man immer was. Aber eigentlich gar nicht so viel, denn Biotech is Godzilla gabs ja schon bei Cavalera Conspiracy

Exodus Xmas

Ein bisserl Bammel hatte ich vor Exodus, hatte ich sie doch in nicht so toller Erinnerung. Doch meine Bedenken waren wie weggewischt, denn diesmal herrschte guter Sound und ein gut aufgelegter Rob Dukes, der ja irgendwie immer so aussieht, als wäre er gerade vonner Straße eingesammelt worden und würde jeden Moment bei einem Hundekampf als Pittbull auftreten. Leider war bei Exodus offensichtlich, dass die meisten wegen den Seppls gekommen waren, leerte sich die Halle doch ein wenig.

Die Beschränkung betraf diesmal eines der besten Alben aller Zeiten, Bonded by Blood nämlich, und die beiden Alben Impact Is Imminent (imho so la la), sowie Pleasures of the Flesh. Warum die Aufteilung so komisch war (Fabulous Disasters wurde ignoriert), wurde einem irgendwie nicht klar. Das vorletzte Lied war nämlich The Toxic Waltz und das ist auf Fabulous Disasters. Seltsame Politik. Mir hätte sowieso Bonded by Blood gereicht. Und davon gabs auch ordentlich was auf die Ohren: Lesson in Violence, Piranha, Metal Command , Exodus und natürlich als Abschluss Strike of the Beast. Zwischendurch gabs mehrere zaghafte Circle-Pit-Anläufe und gegen Ende eine ziemlich kleine Wall-of-Death. Und weihnachtlich wurde es auch, sammelte Rob Dukes doch Weihnachtsmannmützen für einen guten Zweck die restlichen Bandmitglieder. Und einen Song hielten sie das Ganze auch aus. Am Schluss hatte nur noch der Höllenhund persönlich das Ding auf dem Kopf. Gigantisch!

Links: Mortal Sin - Heathen - Destruction - Sepultura - Exodus - Thrashfest

1 Kommentar:

Dunkelbunt hat gesagt…

Na das hört sich doch nach einem richtig fluffigen Abend an!