Sonntag, 27. November 2011

Fozzy + Support live im Kleinen Klub am 19. November 2011

Seit dem Anthrax-Konzert vor einem halben Jahr wollte ich Fozzy unbedingt live sehen. Falls ihr euch erinnert: ich hatte sie damals verpasst und nur Gutes über die Band gehört. Großartig jedenfalls, dass sie ein knappes halbes Jahr später zu ihrer Europatournee aufbrachen und als letzte Station ausgerechnet den Kleinen Klub ausgesucht haben. So muss das sein. Manchmal erfüllen sich Wünsche schon vor Weihnachten. Kurz nach 20 Uhr betraten wir dann den Konzertort. Anscheinend hatten wir die Vorband Codejak schon verpasst. Stattdessen spielten gerade

Sister live SB

Sister auf. Punkiger, Sleaze-Glam-wtf-Metal von Schweden, die coole Posen wirklich drauf haben. Gingen gut nach vorne und zeigten dem angereisten Publikum, was eine Harke ist. Als Anheizer exzellent und musikalisch der Hauptband eindeutig überlegen. Aber das wusste ich natürlich noch nicht, denn

Fozzy live Sb1

als Fozzy die Bühne betraten, war meine Welt noch in Ordnung. Und ehrlich gesagt gefiel mir die Show auch von Anfang an ganz gut, bis mich jemand darauf aufmerksam machte, dass der gut gelaunte Wrestler da vorne auf der Bühne mal schön Playback sang. Ich gebs ja zu, ich habs schon vermutet gehabt und mich angestrengt die fehlerhaften Lippenbewegungen zu ignorieren. Aber nachdem ich darauf hingewiesen wurde, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Nein, da gab es nichts zu leugnen, das war astreines Playback. Nun, jetzt steh ich heute, rund eine Woche später, vor der Frage, wie zur Hölle ich damit umgehen soll. Denn diese Feststellung hat mir das Konzert madig gemacht. Dazu kommt noch, dass ich mehrfach, auch in den darauffolgenden Tagen, darauf hingewiesen wurde, dass Chris Jericho aussah und agierte, wie Dieter Bohlen mit dicken Armen. Eigentlich gefiel mir das Konzert doch ganz gut, oder? Aber auch die Frage, obs mir als Wrestling- oder Musikfan gefallen hat, stürzte mich vor wenigen Tagen in eine Krise. Und ehrlich gesagt... Ich weiß es nicht. Musikalisch finde ich Fozzy eigentlich ganz ok und ich bin auch stolzer Besitzer des Doppelalbums Chasing the Grails/Remains Alive. Auf dem Livealbum hört man, dass er live singt. Warum zur Hölle dann nicht in Saarbrücken? Weils der letzte Gig auf der Tour war? Zu viel gebechert bei den Geburtstagskindern? Enemy, die Zugabe, jedenfalls war live, das hörte man. Ich meine, scheiße nochmal, ich wollte es doch gut finden. Aber ich kanns einfach nicht...

Für alle, die enttäuscht sind; Neckbreaker schreibt wohlwollender!

PS: Auf dem Gig hab ich noch die neue Hellowed erworben. Review gibts bald hier an dieser Stelle oder bei Iamhavoc.

Sonntag, 13. November 2011

Saar Rock History Volume 1 & 2 - Review



Als alter Musikenthusiast bin ich bei solchen Veröffentlichungen, und dann noch vom Stadtverband, ja etwas skeptisch. Ist das eine Werbemaßnahme für den Stadtverband, eine Selbstbeweihräucherung für die paar Promis, die wir im Saarland haben, oder tatsächlich der Versuch die gesamte Rock-Szene des Saarlands darzustellen. Nun, nix von allen dreien, wie wir später sehen werden. In erster Linie wird tatsächlich versuchteine möglichst umfassende Geschichte der saarländischen Populärmusik abzuliefern. Dabei wird sowohl Wert auf den Underground, als auch auf bekannte oder mitunter auch schon nicht mehr bekannte Bands gelegt. Zunächst: Verantwortlich das Projekt sind in erster Linie Roland Helm und Norbert Küntzer, beide selbst Musiker und in der saarländischen Szene aktiv.

Das mit knapp 40 Euro etwas teuere Buch umfasst fast 500 Seiten. Enthalten ist die komplette, längst vergriffene Volume 1 (ca. 139 Seiten). Es beinhaltet nicht nur um die Darstellung eizelner Bands, sondern auch Hintergrundgeschichten, Anekdoten, Erlebnisberichte und Interviews aus rund 60 Jahren Rock- und Popgeschichte. Natürlich beinhaltet das Buch auch die üblichen Verdächtigen wie Frank Farian, Blackeyed Blonde oder Patricia Kaas. Aber das stört auch nicht, wenn daneben eine Zeitreise durch die saarländischen Jugendzentren der 1980er Jahre mit Konzertaufnahmen aus dem altehrwüdigen AJZ Homburg und der Toten Hose in Rohrbach  geliefert und dem JUZ Försterstraße gar ein eigenes Kapitel gewidmet wird. Tatsächlich ist es schwierig aus den wirklich interessanten Themen einzelne herauszugreifen, aber ich möchte ich an dieser Stelle dennoch ein paar meiner Favoriten (nach den genannten) kurz vorstellen:

Aus dem ersten Teil ist sicherlich der Bericht aus der Heavy-Metal-Szene in Neunkirchen (Saar) am interessantesten. on den angesprochenen Bands kannte ich gerade mal Lancelot, die in den USA ihr Glück versuchten. Die Geschichte von lancelot wird dann auch in Volume 2 fortgesetzt. Auch das Kapitel "No Future" über die saarländische Punkszene zeigte mir, dass auch vor meiner Zeit eine lebendige Szene im Saarland war, deren Exponate vermutlich in den Händen einzelner Sammler liegen und die nie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden. Allerdings fand ich den ersten Teil dann doch weniger attraktiv, als den vollgepackten zweiten. Sehr gut der Artikel über das Devil's Place, die Hip-Hop-Geschichte des Saarlandes (inkl. Nyze, aber leider ohne Die Coole Gang und DCVDNS) und die geschichte von Hermann Ze German. Auf etwas mehr als 50 Seiten werden auch aktuelle und vergangene Bands im Kurzporträt vorgestellt. Eine interessante Fundgrube durch alle Musikstile.Insgesamt werden in einem Glossar dann auch noch 1421 Bands vorgestellt, wo man sich doch fragt, wie da bitte die Auswahl bzw. die Recherche war, wenn Spielbann, Dethroned und sogar die Krawallbrüder fehlen, dafür aber Old Pagan erwähnt werden. Ich vermute auch bei letzteren wurde nur aus Versehen diese Split unterschlagen.

Naja, komplett wäre auch sehr schwer gewesen. So liefert das Buch einen vielschichtigen und sehr interessanten Einblick in die saarländische Musikgeschichte. Kompetent zusammen getragen und unterhaltsam erzählt. Ein großes Lob an die Macher!

Links: Offizielle Website

Samstag, 12. November 2011

All Aboard!, Finding Faith, Cowboy Poetry & Friends... am 5. November JUZ Illingen

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Und so begab es sich, dass die Europa-Tournee von All Aboard! mit Cowboy Poetry auch im kleinen, beschaulichen Illingen Station machte. Quasi ein Heimspiel für Cowboy Poetry...

Friends and Liars Juz Ill

Tja, da sucht man sich als Rezensent aus dem fulminanten Angebot von Iamhavoc.de eine Scheibe aus, die man a) selbst schon heruntergeladen und b) von einem jungen Mann, den man am nächsten Tag bereits sieht. Naja, als vielbschäftigter Mann hat man ja nicht alle Termine im Kopf. Die Rede ist natürlich von Friends & Liars. Der Liedermacher eröffnete den Abend und präsentierte (natürlich) auch die am Tag vorher rezensierte Extended Play in Gänze. Zusätzlich gabs noch ein paar weitere, tolle Lieder. Für das tolle My Fork in the Road wurde auch Cowboy Poetry auf die Bühne gebeten. Als Video gibts aber das wirklich tolle Dog Saves Dog, das auch den Letzten überzeugen sollte sich die KOSTENLOSE EP runterzuladen.



Cowboy Poetry, der heimliche Star des Abends trat als nächstes auf die Bühne. Eigentlich sollte jetzt seine Band Finding Faith performen, doch anscheinend war der Gitarrist zu betrunken und der Schlagzeuger zu nüchtern. Oder doch umgekehrt? Egal, sollten mal lieber straight edge werden. Für die, die meine Wikipedia-Arbeit verfolgen, der Artikel Straight Edge, der hier verlinkt wurde erreichte Platz 1 der Sektion Kultur im letzten Schreibwettbewerb, kandidiert gerade zum Exzellenten Artikel. Drückt mir die Daumen!

Cowboy Poetry juz ill

Cowboy Poetry sah ich jetzt bereits zum dritten Mal und es ist wirklich immer wieder toll. Seine Lyrics über Freundschaft, Punkszene und das Leben auf Tour berühren einen tief dreiEuro ins Phrasenschwein. Nein, wirklich tolle Musik. Am besten gefiel mir der Song über seine saarländische Heimat mit Manowar-Querverweis. Weiß leider nicht, wie das Lied heißt. Für das fantastische Apocalypse Now wurde sich dann auch von Friends & Liars revanchiert, der mit Melodica bewaffnet die Bühne betrat und Cowboy Poetry unterstützte. Toller Auftritt!



Da mein Kollege noch was zu beißen benötigte, gings dann mal kurz das Illinger Nachtleben untersuchen. Ich kanns euch verraten: Es gibt keins. Kurz beim Asia-Bistro gestärkt, gings zurück, wo Finding Faith leider gerade ihr letztes Lied spielten. Mist, Gig verpasst, journalistische Sorgfaltspflicht verletzt... Naja, da Cowboy Poetry ziemlich kaputt aussah, wars wohl ein ziemlich guter Gig.

All Aboard Band


All Aboard!
waren mir unbekannt. Ihr Independent- oder Alternative-Rock- oder wie man das heute jetzt so nennt, kam jedoch gut an. Eigenbezeichnung: punkrock mit herz und seele. Punkrock darf ja alles, aber für Punk war mir die Mucke dann aber doch zu soft. Ich bleibe bei Alternative Rock. Und der ging gut ins Ohr. Lieblingslied: Die unten verlinkte Powerballade Values (habe kein Mikro, deswegen muss es immer was ruhiges sein, wenn ich aufnehme). Leider nicht auf ihrem dennoch sehr empfehlenswerten Album Twelve Little Compliments zu hören. Überflüssig zu erwähnen, dass auch hier wieder Cowboy Poetry die Bühne betrat und einen Song mitsang. Muss eine tolle Tour gewesen sein. Wenn sie mal n Mercher brauchen...



Sehr tolles Konzert!

Freitag, 4. November 2011

Review - Friends & Liars: EP 2010

Bereits 2010 veröffentlicht, doch seit 2011 kostenlos bei tapetapetape erhältlich. Lohnen sich die fünf Minuten Zeit, die man investiert auch wirklich?
Friends and Liars ist keine Band, wie man dem Namen nach vermuten kann. Hinter Friends and Liars verbirgt sich der Musiker Thomas Backes, der zur Zeit anscheinend in Trier oder Mainz zu Hause ist, aber ursprünglich aus dem Saarland stammt. Ein Singer-Songwriter im Hardcore-Punk-Context ist ja heute nicht mehr so unüblich, man denke nur an Walter Schreifels oder Chuck Ragan. Tatsächlich ist die Stimme von Friends and Liars sehr angenehm, was man nicht vermutet, wenn man weiss, das Thomas sein Glück normalerweise bei And Plagues Will Follow versucht. Sein Akustikpunk ist jedenfalls sehr schön anzuhören und wer auf solche Mucke steht, kann sich ja mal unverbindlich die EP bei Tapetapetape saugen. Mein Favorit ist das etwas flottere Won't Make It to the Dance, mit netter Pointe gegen Ende. Und eurer?

Iamhavoc.de


Vielleicht wirds ja den einen oder anderen verwundern, warum meine Beiträge mittlerweile bei Iamhavoc.de gespiegelt werden. Nun, dafür gibts einen einfachen Grund: Kohle. Gripweed hat sich ausverkauft, um mit seinen Beiträgen endlich mal Geld zu verdienen. Nein, quatsch. Iamhavoc ist ein wunderbares Portal für die regionale Szene und daher sind meine Beiträge dort in guten Händen. Schaut doch bei Gelegenheit dort mal rein. Auf weiter gute Zusammenarbeit, Gripweed

Mittwoch, 2. November 2011

The Baboon Show, Prinzessin... und The 's live im Trierer Exil, 29. Oktober 2011

Guten Freunden schenkt man eine Fahrt nach Trier und so gings am 29. Oktober 2011 in die Bistumshauptstadt des ältesten Bistums nördlich der Alpen (für meine katholischen Leser). Und dort im altehrwürdigen Exil sollte es dann drei superbe Bands zu erleben geben. Leider nicht im Kellergewölbe, sondern in einem weiter oben gelegenen, kleineren Saal. Naja, auch nicht schlimm. Etwas verwirrend, das um 20:30 noch niemand da war und auch noch niemand gespielt hatte. Die Sause ging erst um 21:30 los und zwar...

The 'S live in Trier  

...mit meinen Dauergästen von The 's. Leider war zu dieser frühen (?) Stunde noch nicht so viel los. Aber den anwesenden Gästen wurde eine wunderschöne Show geboten. Nach einem knackigen Intro folgten die von der Single bekannten Hits Hairy Girls on Acid, 5th Avenue und Liquor in the Front. Welche Songs noch gespielt wurden, könnt ihr auf meinem neu eingerichteten YouTube-Kanal erfahren. Also, wenn ich endlich erfahre, wie die Lieder heißen. Aber Vorsicht, so mit der richtigen Tonaufnahme habe ichs noch nicht so drauf. Aber egal, The 's hatten auch was neues mitgebracht, nämlich den Überhit Ass, Wind & Fire. Klasse Song. Langsam klappts auch mit dem Stageacting, auch wenn etwas mehr Rumgepose den Jungs nicht schlecht zu Gesicht stände.





Prinzessin Halts Maul waren die nächsten. Diese verfügten anscheinend in trier schon um eine beständige Fanbase, denn vor der Bühne war plötzlich die Hölle (naja, ein paar mehr) los und es wurde von Beginn an gepogt und mitgegröhlt. Eine reife Leistung, denn wie schon bei der The 's Release Show verstehe ich live kein Wort. So ging auch das Bubonix-Cover (siehe Video) etwas unter. Jedenfalls sind Prinzessin Halts Maul eine klasse Band, die jedoch, wie ich finde, auf Platte musikalisch besser sind, als die Live-Shows es vermuten lassen. Das soll nicht heißen, dass die Liveshows scheiße sind, eher im gegenteil. Die Band ist super motiviert und agil. Aber die Musik klingt irgendwie anders als auf Platte.



Baboon Show 3

The Baboon Show dürften der heißeste Export aus dem skandinavischen Raum seit Turbonegro sein. Zur Präsentation des neuen Albums Punk Rock Harbour gings auf Deutschland-Tour und der gemischt-geschlechtliche Vierer zeigte den deutschen Fans und solchen, die es werden wollen, was eine Liveshow bedeutet. Für die Support-Bands der wahre Graus, blasen die Schweden doch mal locker alles weg, was vorher war. Das liegt vor allem an der Präsenz von Frontfrau Cecilia Boström. Unglaublich, was die Dame an dem Abend leistete. Begann schon damit, dass sie durch die Menge zur Bühne tanzte. Stillstehen war nicht. Den ganzen Gig über nicht. Musikalisch eine Mischung aus Blondie und X-Ray Spex. Präsentiert wurden vor allem Lieder vom neuen Album. Die Hitdichte dort ist etwa vergleichbar mit dem ersten Ramones-Album. Wobei man auch hier erwähnen sollt, dass das Album nicht ganz so hart ist, wie sie live rüberkommen. Bis dato der beste Liveauftritt von 2011 und wohl auch kaum zu überbieten.



Links: The Baboon Show (MySpace)